Magazin: CD-Kritiken
Rachmaninoff, Sergej: Piano Concerto No.3, Corelli Variations, Sonata No.2

Details zu Rachmaninoff, Sergej: Piano Concerto No.3, Corelli Variations, Sonata No.2: Michael Korstick, Janacek Philharmonic Ostrawa, Dmitry Liss

Rachmaninoff, Sergej: Piano Concerto No.3, Corelli Variations, Sonata No.2: Michael Korstick, Janacek Philharmonic Ostrawa, Dmitry Liss

Teilzeit-Löwenpranke

Michael Korstick beeindruckt mit Rachmaninows zweiter Klaviersonate. Mit dem dritten Klavierkonzert und den Corelli-Variationen leider nicht in gleichem Maße.

Das Orchester spielt, vielmehr lässt sich kaum zuverlässig sagen. Die von Dimitri Liss dirigierte Janáček Philharmonie Ostrava grummelt in einer neuen Einspielung von Rachmaninows drittem Klavierkonzert über weite Strecken aufnahmetechnisch bedingt derart diffus im Hintergrund, wie wohl seit Jahrzehnten nur selten. Gut, etwas überspitzt ist das vielleicht: Selbstverständlich ist das Orchester im kräftigen Tutti gut zu hören und auch an vielen anderen Stellen. Aber viele Details der Partitur, und auf die kommt es in einer guten Interpretation schließlich an, sind nicht wahrnehmbar. Was die Toningenieure sich dabei gedacht haben, bleibt rätselhaft. Oder sollte diese Abmischung der Wunsch des Solisten gewesen sein?

Diesem Solisten zuzuhören lohnt sich eigentlich immer. Sein Beethoven wird regelmäßig in den höchsten Tönen gepriesen, sein Schubert ist aktuell wohl weitgehend konkurrenzlos, doch auch äußerst spannenden Exoten wie zum Beispiel dem Russen Dmitrij Kabalewskij oder dem Franzosen Charles Koechlin widmet er sich immer wieder. Und Sergej Rachmaninow zählt Michael Korstick sogar zu seinen Lieblingskomponisten, wie man im Beiheft der neuen Platte erfährt.

Flexible Tempi

Stellenweise schimmert allerdings der vage Eindruck auf, als musizierten Orchester und Solist nur annäherungsweise zusammen. Neben dem d-moll Klavierkonzert sind in Korsticks neuem, großem Rachmaninow-Programm auch dessen Corelli-Variationen und die zweite Klaviersonate enthalten, sogar klanglich überzeugend aufgenommen. Der Rachmaninow-Fan Korstick spielt all diese Werke in eigenen Fassungen, vor allem mit eigenen Kürzungen, was im Beiheft erklärt wird und einen beträchtlichen Teil des Textes ausmacht. So sind etwa im Finale des Konzerts 23 Takte gestrichen, und auch in den Corelli-Variationen weiß es der Pianist besser als der Komponist und überspringt die 13. Variation. Im übrigen spielt Michael Korstick in diesen Neuaufnahmen mit überaus flexiblen Tempi und einer gewaltigen dynamischen Spanne, im ersten Satz des Konzerts wählt er unter den zwei existierenden Kadenzen Rachmaninows die weniger gespielte, von Beginn an aus massiven Akkorden bestehende.

Von der zweiten Klaviersonate gibt es drei Fassungen: Die selten gespielte Originalversion von 1913, eine vom Komponisten extrem gekürzte Überarbeitung von 1931 sowie ein Kompromiss aus beiden, für die Wladimir Horowitz den Segen des Schöpfers erhielt. Michael Korstick hat diese Horowitz-Fassung noch einmal nach seinen Vorstellungen abgewandelt und sie in der vorliegenden Aufnahme mit donnernder Löwenpranke gespielt, die in Konzert und Variationen so nicht zu finden ist. Diese Interpretation wurde im Gegensatz zu den beiden anderen Werken schon 2005 aufgenommen, allerdings ist auf der neuen Platte dank des draufgängerischen Zugriffs nur diese Sonate wirklich fesselnd.


Jan Kampmeier, 01.11.2018

Label: OehmsClassics , VÖ: 14.09.2018
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Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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