Magazin: CD-Kritiken
Sterkel, Franz Xaver: Liebesbothen-Lieder

Details zu Sterkel, Franz Xaver: Liebesbothen-Lieder: Julla von Landsberg, Jan Kobow, Sylvia Ackermann, Thomas Höhne

Sterkel, Franz Xaver: Liebesbothen-Lieder: Julla von Landsberg, Jan Kobow, Sylvia Ackermann, Thomas Höhne

Mehr als nur häuslich

Einblicke in das reiche Schaffen eines gar nicht provinziellen Mozart-Zeitgenossen.

Die Franz-Xaver-Sterkel-Gesellschaft macht alles richtig. Sukzessive gelingt es ihr, Interpreten und Plattenlabels für das Schaffen des Komponisten zu interessieren – auch wenn die große Menge an Werken sich nicht wird auf dem Tonträgermarkt spiegeln lässt, vor allem nicht die zahlreichen Chorwerke und Messen (immerhin liegt eine Messe bereits auf Tonträger vor). In der Kammermusik wie auch im Liedschaffen war Sterkel ungemein produktiv – von den 400 Liedern in deutscher und italienischer Sprache wird hier erstmals eine Auswahl vorgestellt. Wir haben hier einen Komponisten mit hochgradig spannendem Lebenslauf, der am Mainzer, Aschaffenburger und Regensburger fürstbischöflichen Hof ähnlich frei schalten und walten konnte wie Haydn auf der Esterháza. Ein Aufenthalt in Italien führt zum Kompositionsauftrag der Oper 'Il Farnace' durch die Königin von Neapel, eine Tochter Maria Theresias. Sterkel, 1750 geboren und 1817 verstorben, ist musikalisch zwischen Mozart und Paisiello zu verorten; gerade die italienischen Canzonen könnten ganz genauso von Paisiello stammen, und gegenüber Mozart ist Sterkel auch noch moderner insofern, als seine Textdichterwahl weit ins 19. Jahrhundert weist und viele Dichter enthält, die auch etwa Schubert vertont hat; dadurch ist der Repertoirewert der Produktion ganz besonders hoch.

Die Sopranistin Julla von Landsberg und der Tenor Jan Kobow teilen sich die Lieder und vereinen ihre Beiträge zum Schluss zum Metastasio-Duett 'Ad onta del fato mio bene adorato'. Kobow hat sich längst im Bereich der historisch informierten Aufführungspraxis etabliert und überzeugt durch Frische und Klarheit des Vortrags. Leider sind bei Frau von Landsberg gelegentlich Intonationsprobleme und ungenaue Verzierungen festzustellen – diese ‚Imperfektionen‘ vermitteln aber einen besonderen Charakter von häuslicher Intimität, der der Musik insgesamt wohl ansteht. Dennoch sind diese Einschränkungen, gerade mit Blick auf die anderen drei Interpreten, als sehr bedauerlich zu bezeichnen, wird hierdurch doch der Referenzcharakter der Produktion etwas beeinträchtigt. Dabei gibt es viel Spannendes zu entdecken – neben Kobows vorbildlichen Beiträgen eine Mischung von Beiträgen mit Gitarre und Klavier. Leider erfahren wir über die Instrumente überhaupt nichts. Handelt es sich um eine historische Gitarre, gespielt von Thomas Höhne? Das Tasteninstrument ist ein ‚Dachbodenfund‘, ein Tangentenflügel der Regensburger Manufaktur Christoph Friedrich Schmahl aus dem Jahr 1790, der im Claviersalon Miltenberg regelmäßig genutzt wird. Gleichwohl ist der Klang beider Instrumente von großem Reiz und hat nicht unentscheidenden Anteil an der insgesamt rundum gelungenen Produktion. Es ist nur angemessen, dass Sylvia Ackermann Tangentenflügel auch sein eigenes Solo hat – eine 1817 bei Simrock erschienene 'Fantaisie pour le piano' op. 45.

Während die Aufnahmetechnik tadellos ist, sind im CD-Booklet neben den fehlenden Informationen zu den Instrumenten auch noch ein paar Schreibfehlerchen stehen geblieben (am kuriosesten der Hinweis auf Beethovens Variationen über Sterkels 'Ich hab‘ ein kleines Hüttchen [statt Hütchen] nur').


Dr. Jürgen Schaarwächter, 31.10.2018

Label: Coviello Classics , VÖ: 06.07.2018
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

Unser Service:

 Schriftgröße   + / - 

Drucker Seite drucken

RSS RSS


Anzeige

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2018) herunterladen (4200 KByte)

Class aktuell (4/2018) herunterladen (2986 KByte)