Magazin: CD-Kritiken
The Fitzwilliam Virginal Book Vol.6

Details zu The Fitzwilliam Virginal Book Vol.6: Peter-Jan Belder

The Fitzwilliam Virginal Book Vol.6: Peter-Jan Belder

John Bull und andere

Im sechsten Teil seiner Gesamteinspielung des 'Fitzwilliam Virginal Book' kombiniert der Cembalist Pieter-Jan Belder Stücke von John Bull mit einzelnen Kompositionen unbekannterer Tonsetzer.

Während der vergangenen Jahre haben sich die einzelnen Folgen von Pieter-Jan Belders Gesamteinspielung des 'Fitzwilliam Virginal Book' zu einem konstanten Quell der Freude entwickelt. Bereits die Idee, den heute im Fitzwillam Museum in Cambridge aufbewahrten und nach ihrem früheren Besitzer Viscount Richard Fitzwilliam benannten Folioband mit Musik für Tasteninstrumente aus der Zeit zwischen 1562 und 1612 endlich in seiner Gesamtheit auf Tonträger zu bannen, verdient höchstes Lob. Die nunmehr sechste bei Brilliant-Classics erschienene Doppel-CD – zugleich vorletzte Veröffentlichung der Reihe – wendet sich vor allem dem Komponisten und Organisten John Bull (1562–1628) zu und versammelt damit einige der wohl bedeutendsten Beiträge zu der Sammlung.

Mit den Variationen über 'Ut Re Mi Fa Sol La' (Nr. CCXV) schuf Bull eines der anspruchsvollsten und mit knapp elf Minuten Spieldauer auch längsten Stücke des 'Fitzwilliam Virginal Book': Ausgehend von einfacher Zweistimmigkeit entwickelt sich die Musik durch allmähliches Hinzutreten weiterer Stimmen zu einem komplexen satztechnischen Geflecht, das darüber hinaus aufgrund von Tempoveränderungen ständigen Wandlungen unterworfen ist. Belders Zugang zeichnet sich durch eine gewohnt transparente Linienführung aus, was auch für andere kontrapunktische Stücke wie Bulls Variationen über das Gregorianische 'Salvatore Mundi' (No. XLV) gilt. Und wieder nutzt der Cembalist die klanglichen Möglichkeiten der von ihm gewählten Instrumente – zweier Ruckers-Nachbauten von Titus Criijen (2014) und Adlam Burnett (1980) sowie eines Virginals nach Couchet von Gerhaard Boogaard (nach Couchet, 2016) – zur Akzentuierung formaler Gegebenheiten oder zum Aufbau von Kontrasten, wobei insbesondere das Cembalo von Crijen durch prachtvolle Klangentfaltung auffällt.

Kluge Dramaturgie

Kontrastierend zu den Stücken Bulls enthält die Produktion eine ganze Reihe einzelner Werke, die – sieht man einmal von 'The Woods so wilde' (Nr. XL) aus der Feder von Orlando Gibbons (1583–1625) ab – ausschließlich unbekannteren Komponisten wie William Inglott (1554–1621), John Marchant (um 1588–1611) und Robert Parsons (um 1535–1571/72) oder gar anonymen Autoren zu verdanken sind. Der besondere Reiz dieser Zusammenstellung liegt darin, dass es sich überwiegend um Tanzsätze handelt, im Nebeneinander der Beispiele also erfahrbar wird, wie höchst unterschiedlich die einzelnen Tonsetzer mit den Modellen von Galliarde und Pavane umgehen. Dies unterstützt Belder durch eine intelligente Anordnung der Stücke, was insbesondere dort zur Geltung kommt, wo er dem großen Bull-Komplex der ersten CD eine Folge von kurzen Tänzen anonymer Autorschaft (Nr. CXI, CC–CCVI, CCIX und CCXII) zu einer durch ein 'Prelude' eingeleiteten suitenartigen Abfolge gruppiert.

Dass man sich trotz der kurzen, aber kompetenten englischsprachige Einführung wieder einmal über das Booklet ärgern kann, dürfte keine Neuigkeit sein. Denn trotz kritischer Bemerkungen zu den bisherigen Teilen der Edition hat sich nichts an der Tatsache geändert, dass es den Machern von Brilliant Classic auch beim sechsten Anlauf nicht gelungen ist, die Titel fehlerfrei nachzuweisen: Wieder einmal finden sich Stücke in der Trackliste, bei denen einzelne römische Originalnummern aus dem 'Fitzwilliam Virginal Book' ganz fehlen oder falsch geschrieben sind, sodass man als interessierter Hörer sehr lange suchen muss, bis man die entsprechenden Notentexte in der gedruckten Ausgabe gefunden hat.


Prof. Dr. Stefan Drees, 16.11.2018

Label: Brilliant classics , VÖ: 03.08.2018
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




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Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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