Magazin: CD-Kritiken
Martha Argerich: The Successful Beginning

Details zu Martha Argerich: The Successful Beginning: Werke von Ravel, Bartok, Mozart, Beethoven, Schumann, Brahms u.a.

Martha Argerich: The Successful Beginning: Werke von Ravel, Bartok, Mozart, Beethoven, Schumann, Brahms u.a.

Frühe Glanzleistungen

Vier CDs geben hochinteressante Einblicke in das frühe Schaffen der Martha Argerich.

Martha Argerich, 1941 in Buenos Aires geboren, als Pianistin weltbekannt, wurde schon mit drei Jahren bei einer Schulaufführung als Talent erkannt. Mit fünf Jahren begann ihre professionelle Ausbildung am Klavier. Mit acht Jahren spielte sie bereits in Klavierkonzerten in Buenos Aires mit. Friedrich Gulda nahm sie 1955 in Wien als Schülerin auf, obwohl er zugab, nicht zu wissen, was er ihr noch beibringen sollte. Zwei Jahre später gewann sie die Wettbewerbe Busoni und Genf. Diese Veröffentlichung einer 4-CD-Box (auf dem Label Profil) zeigt ihren Werdegang von 1957 bis 1961, bevor sie 1965 als Gewinnerin beim Chopin-Wettbewerb weltberühmt wurde.

Schon in diesen Konzerten, gespielt im Alter von 15 bis 19 Jahren, machen Argerichs Ausnahmetalent hörbar. Die CDs zeigen ein beachtlich breites Spektrum der jungen Pianistin, beginnen mit Maurice Ravel und Franz Liszt, dazwischen Béla Bartók, Mozart, Beethoven, Robert Schumann, Brahms, Chopin, Prokofiev. Zu hören sind u.a. Auftritte Martha Argerichs bei den Rundfunksendern in Hamburg und Köln, ihr legendäres Konzert in Leningrad mit dem genialen Geiger Ruggiero Ricci.

Den Auftakt macht Ravels Klavierkonzert in G-Dur. Es ist Argerichs erste Version von 1960, zusammen mit dem Südwestfunk-Sinfonieorchester, eine sehr schnelle, jugendlich temperamentvolle Interpretation, bei der ihre perlende Virtuosität in großen Linien schon erstrahlt. Diese wird im 'Gaspard de la nuit' noch deutlicher, wenn sie den dritten Satz trotz der technischen Schwierigkeiten wesentlich schneller als in späteren Zeiten in eilendem Tempo vorantreibt. Mit glasklaren Tönen, flirrenden Läufen, hauchzarten Trillern gibt sie Ravels 'Sonatine' schwebende lyrische Eleganz und über das ganze Tonspektrum perlend wird 'Jeux d‘eau' zum grandiosen impressionistischen Stimmungsbild. Bei den Live-Aufnahmen in St. Petersburg mit Bartóks Volksliedern aus Transsylvanien und Pablo de Sarasates Tarantella, jeweils für Violine und Klavier, bleibt Martha Argerich in der Begleitfunktion. Geiger Ruggiero Ricci steht im Mittelpunkt dieser rasanten Stücke.

Glanzleistungen der jungen Martha Argerich

Die zweite CD konzentriert sich auf Mozart und Beethoven. Mozarts Klavierkonzert Nr. 21 belebt Argerich 1960 durch spritzige Tempi und ihr Gespür für Eleganz ebenso wie Beethovens Klaviersonate Nr. 7. Wild dynamisch interpretiert sie das Presto. Zwischen kraftvollen, innigen Akkorden und in leidenschaftlich steigernder Dramatik der Leitmelodie wird das 'Largo e mesto' zum innigen Erleben, ganz fein umspielt von höhen Tönen der Hoffnung, die zart verhauchen. In der Spannung zwischen wuchtigen Akzenten und perlenden Läufen bekommen Menuett und Rondo tänzerisch eine rauschhafte Dynamik mit geerdeten Ruhepunkten dazwischen. In Beethovens Violinsonate Nr. 3 bilden ihre virtuosen Läufe und ihre Leidenschaftlichkeit einen ebenbürtigen Kontrast zu Ruggiero Riccis im Vordergrund stehender Melodiösität. In abwechselnden Parts entsteht ein mitreißendes Miteinander.

Auf der dritten CD brilliert Martha Argerich wieder solistisch mit Mozarts federleicht gespielten Allegros und innigen Andantes der Klaviersonaten Nr. 8, 13 und 18. Robert Schuhmanns 'Toccata' steigert sie ins Leidenschaftliche mit starken Dynamikwechseln und faszinierender Virtuosität, wogegen Johannes Brahms‘ Rhapsodien nicht ganz mithalten können. Hier fehlt noch das Aufblühen der Klangfarben.

Mit Franz Liszts 'Ungarischen Rhapsodien' Nr. 1 und Nr. 8 als Beginn und Schluss endet die vierte CD sehr tänzerisch und akzentuiert, adäquat mit begeistertem Liveapplaus. In ihren Chopin-Interpretationen ('Barcarole', 'Scherzo', 'Ballade' und 'Etüde in C-Dur') zeigt Argerich ihr differenziertes Spiel zwischen lyrischer Subtilität und pulsierenden Emotionen, die immer wieder in kraftvollen Crescendi aufwallt. Die 'Etüde in C-Dur', 1955 in Buenos Aires aufgenommen, stark beeinträchtig durch das starke Rauschen der Tonaufnahme, ist als Zugeständnis an den Anspruch des Titels 'From the Beginning' sehen. Faszinierend ist dagegen Argerichs energetisch rasanter und klangschöner Abschluss mit Sergej Prokofievs 'Toccata' op.11 und Sonata Nr. 3.


Michaela Schabel, 01.02.2019

Label: Profil - Edition Günter Hänssler , VÖ: 15.06.2018
Interpretation: 
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Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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