Magazin: CD-Kritiken
Romantic Bass Duets

Details zu Romantic Bass Duets: Harald Stamm, Kurt Moll, Wilhelm von Grunelius

Romantic Bass Duets: Harald Stamm, Kurt Moll, Wilhelm von Grunelius

Männersache

Schubert oder Loewe als Rollenspiel? Zwei Bassisten zeigen, wie's geht.

Denkt man an zwei Bassisten, die Duett singen sollen, erwartet man für gewöhnlich Opernrepertoire – Verdi etwa oder Mussorgsky. Romantische Bass-Duette scheinen zunächst ein Widerspruch in sich zu sein –, und bei 'Ich wollt‘, meine Lieb ergösse sich' von Mendelssohn Bartholdy habe ich zunächst Victoria de los Ángeles und Dietrich Fischer-Dieskau im Ohr, aber sicher nicht Kurt Moll und Harald Stamm. Kurt Moll und Harald Stamm (beide Jahrgang 1938) waren langjährige Freunde bis zu Molls Tod 2017, und so wird die 1983 und 1986 beim SFB produzierte CD zum würdigen Tribut an einen von zwei bedeutenden Nachkriegsbassisten. Harald Stamm, langjähriger Erster Bassist der Hamburgischen Staatsoper, hat nie die große Karriere seines Fachkollegen gemacht, vielleicht weil sein Stimmcharakter nicht ganz so einzigartig war wie Molls (dafür verfügte Stamm über eine kraftvolle, klangschöne baritonale Höhe). Die Produktion zeichnet sich dadurch aus, dass die beiden Sänger an den äußeren Bereichen des Stereo-Feldes platziert sind, mit dem Klavier zwischen ihnen. So bleibt selbst bei Terz- und Sextketten die Individualität jedes Sängers jederzeit klar präsent.

Besondere Bedeutung erlangt die Produktion auch durch das Repertoire: neben Duetten von Mendelssohn und Dvořák, die man auch von anderen Einspielungen kennen kann, bieten die beiden Sänger – begleitet von Wilhelm von Grunelius – Duette von Ferdinand Hiller, Anton Rubinstein und Emil Mattiesen. Da gibt es vieles Attraktive und Interessante zu entdecken. Und es ist eine Wonne, die beiden Sänger in Schuberts 'Der Tod und das Mädchen' und 'Erlkönig' dialogisieren zu hören (Stamm übernimmt das Mädchen, Moll den Vater und den Erlkönig) – das sind ‚Rollenspiele‘ ganz eigener Art, echte zeitlose Kabinettstücke. Auch Carl Loewes Balladen 'Odins Meerritt', 'Archibald Douglas' und 'Tom der Reimer' werden schnell zu veritablen dramatischen Szenen.

Das Programm endet mit sechs irischen Volksliedern, bearbeitet von Ernst von Stockhausen – dem einzigen nicht auf Deutsch dargebotenen Programmpunkt, und leider mit einer Schwere, die vor allem durch den etwas zu behäbigen Klavierpart bedingt ist. Den Sängern spürt man an, dass sie sonst richtiggehend ‚abheben‘ könnten. Die Freude am gemeinsamen Musizieren ist jeden Moment fast haptisch zu spüren, und wenn gerade diese Volkslieder nicht die Frische haben, die sie haben könnten, liegt dies auch daran, dass kein Sprachcoach die irische Aussprache entsprechend zugespitzt hätte. Auch bei der vorliegenden Produktion bleibt keine Frage, dass beide ‚Herren Kammersänger‘ immer für Ungewohntes offen waren.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 08.11.2018

Label: Profil - Edition Günter Hänssler
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Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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