Magazin: CD-Kritiken
Lee, Young Jo: Das Koreanische Kunstlied

Details zu Lee, Young Jo: Das Koreanische Kunstlied: Yoora Lee-Hoff, Michael Schütze, Marie-Luise Kahle

Lee, Young Jo: Das Koreanische Kunstlied: Yoora Lee-Hoff, Michael Schütze, Marie-Luise Kahle

Kunstlied auf Koreanisch

Die kompetenten Interpreten stellen Kunstlieder von Young Jo Lee vor – eine spannende Fusion aus koreanischen und westlichen Kompositionsformen.

Als ‚Schubert Koreas‘ wurde Heung Ryul Lee (1909–1980) in Anbetracht seines reichhaltigen Œuvres und seiner Verdienste um die Entwicklung des koreanischen, aus westlichen Einflüssen heraus weiterentwickelten Kunstlieds bezeichnet. Gewissermaßen dessen Erbe hat sein zweiter Sohn Young Jo Lee (*1943) angetreten, ausgestattet mit einer umfassenden Ausbildung in Europa und den USA und seither dekoriert mit zahlreichen nationalen Preisen nebst hohen Ämtern in musikalischen Gremien. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, inmitten der Sphären zwischen koreanischer Tradition und westlichen Anleihen einen eigenen Kompositionsstil zu finden. Davon, wie das klingt, kann man sich auf dieser beim Label Genuin erschienenen CD 'Das koreanische Kunstlied' ein Bild machen.

Strahlende Führungsrolle

Stimmlich in Szene gesetzt wird die aus unterschiedlichen Schaffensperioden zusammengestellte Auswahl seiner Lieder von der jungen Sopranistin Yoora Lee-Hoff, die eine ganz besondere musikalische Biographie vorweisen kann: Ursprünglich im Fach Klavier ausgebildet, setzte sie noch ein Violinstudium oben drauf, um erst anlässlich dessen als herausragendes Stimmtalent entdeckt zu werden. Ausgehend von diesem Anknüpfungspunkt absolvierte sie zusätzlich noch ein komplettes Gesangsstudium, das ihr schließlich zum Durchbruch in diesem Fach auf den großen Bühnen der Musikwelt verhalf. Ausgestattet mit einer entsprechend feinen Technik, verleiht sie der Singstimme eine strahlende Führungsrolle. Geschmeidiges, natürliches Timbre gestattet es ihr, sich sowohl in agiler Bewegung und crescendohaft aufsteigenden Höhen ('Sae zot-gi norae/Vogelscheuchenlied', 'Ongheya/Macht Spaß') als auch in bedächtig wogender Poesie ('Kyoung sang do Arirang') problemlos auszudrücken. Ihre Koloraturstimme wird regelrecht lautmalerisch anmutenden, sprachgestischen Elementen ('Zeong seon yeok-geom Arirang') spielerisch gerecht. Begleitet wird sie von Michael Schütze (Klavier) und Marie-Luise Kahle (Horn) – allein schon diese Besetzungsform sorgt für ein interessantes Klangbild. Speziell Schütze versteht es als international vielfach erprobter Begleiter seines Fachs, für einen atmosphärisch illustrativen Background zu sorgen.

Solides Handwerk

Young Jo Lee zeigt sich mit der effektiven Verwendung kompositorischer Stilmittel bestens vertraut: Stringente Linienführung, einfallsreiche Harmonik, rhythmische Finessen und kreative Themenverarbeitung zeugen von solidem Handwerk und führen zu den durchaus abwechslungsreichen Charakteren der insgesamt 18 Lieder. Die (selbstredend koreanisch gesungenen) Texte klingen in der deutschen Übersetzung ein wenig kryptisch – nicht immer ist man sich sicher, wo im Dunstkreis zwischen teils geistlich, teils weltlich geprägten Inhalten man sich thematisch gerade befindet. Einen spannenden Eindruck von der Gattung des koreanischen Kunstlieds im Spiegel stilprägend übernommener westlicher Strömungen vermittelt diese CD aber allemal.


Thomas Gehrig, 11.02.2019

Label: Genuin , VÖ: 08.06.2018
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

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