Magazin: CD-Kritiken
Scarlatti, Domenico: Die Sonaten Vol.1

Details zu Scarlatti, Domenico: Die Sonaten Vol.1: Federico Colli, Klavier

Scarlatti, Domenico: Die Sonaten Vol.1: Federico Colli, Klavier

Imaginativ und impulsiv

Jede Scarlatti-Interpretation auf dem modernen Konzertflügel ist eigentlich eine Bearbeitung: Federico Colli verfügt über eine breite Palette an Anschlagsvarianten und setzt auch seine Virtuosität beeindruckend ein.

Schon die einer CD entsprechende Auswahl aus Domenico Scarlattis ‚rund 555‘ Sonaten für ein Tasteninstrument (Cembalo) hat etwas Poetisches: Hier sieht man, ob und wie ein Interpret sich wirklich Gedanken gemacht hat oder einfach Bekanntes und Beherrschtes herunterspielt. Colli ordnet bei seinem Chandos-Debut 16 Sonaten in vier programmatische ‚Kapitel‘: Ganz einfühlsam geht es in 'The Power of Illusion' mit der moderaten f-Moll-Sonate Kk. 19 los, wie es nur auf einem ‚modernen‘ Fortepiano möglich ist: mit einer Vielzahl von Anschlagsvarianten zwischen Staccato und sanglichem Legato sowie kontrastivster Dynamik. Auch in der für Cembalisten wichtigen ‚rhetorischen‘ Phrasierung mit feinen agogischen Mikro-Dehnungen entwickelt der 1988 in Brescia geborene Pianist Markanz im Augenblick und eine kontinuierlich hochgespannte Expressivität.

Jede Sonate Erzählung und Charakterbild

Das führt die äußerst bekannte und auch im Vergleich mit anderen Referenzen wirklich ungeheuer dicht im Detail ausgearbeitete Sonata Kk. 380 ebenso vor wie die vier äußerst ‚nachdenklichen‘ langsamen Sonaten im Schlusskapitel 'Enchantment and Prayer' (mit gelegentlichem Pedalgebrauch). Im flottesten zweiten Kapitel 'Live happily!' tritt auch der stupende Virtuose Colli hervor, dem man ebenso besonderen Beethoven oder Skrjabin zutrauen mag: Das bewundernswerte Allegro Kk. 39 sticht in dieser Hinsicht ebenso hervor wie im dritten Teil 'Return to Order' abermals durchgehend feine Leichtigkeit und Brillanz. Inzwischen ist bereits auch eine zweite Folge auf Collis neuem Label veröffentlicht worden. Wer bedauert, dass Ivo Pogorelich einst nur eine einzige herausragende Scarlatti-Platte einspielte, darf bei Colli auf eine ganze Serie hoffen.


Dr. Hartmut Hein, 02.05.2020

Label: Chandos , VÖ: 04.05.2018
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 



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Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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