Magazin: CD-Kritiken
Debussy, Claude / Cage, John / Takemitsu, Töru: Ecoutez!

Details zu Debussy, Claude / Cage, John / Takemitsu, Töru: Ecoutez!: Sheila Arnold, Piano

Debussy, Claude / Cage, John / Takemitsu, Töru: Ecoutez!: Sheila Arnold, Piano

Debussy, vom Zen-Buddhismus her neu gehört

Sheila Arnold gelingt eine hochmusikalische und spannende Aufnahme, in der sie Miniaturen von Debussy in einen Zusammenhang mit Klavierwerken des Japaners Takemitsu und des Amerikaners Cage stellt.

‚Écoutez!‘ – ‚Hören Sie zu‘ oder vielleicht der Sache nach treffender übersetzt: ‚Hören Sie genau hin‘ heißt die zu besprechende neue Aufnahme der Pianistin Sheila Arnold, und der Titel ist passend gewählt. Denn als Musik zur Unterhaltung oder im Hintergrund wird kaum jemand diese CD hören wollen. Die meist nur wenige Minuten langen Klavierstücke von Claude Debussy, Tōru Takemitsu und John Cage verlangen Aufmerksamkeit. Sie verlangen von dem Hörer und der Hörerin, wach hinzuhören, zuzuhören, zu lauschen.

So treffend zwar der Titel der CD gewählt ist, so unglücklich ist das Cover der Aufnahme geworden. Man sieht die Pianistin, die seit 2006 auch als Professorin an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln unterrichtet, über einen Flügel gebeugt, aber auf dem Foto ist nicht alles klar und deutlich zu erkennen. Das Bild ist verwaschen, wie hinter einem Schleier oder Nebel, aufgenommen. Diese Optik passt wenig zu der Interpretation der Musik, die Arnold spielt, denn die ausgewählten Stücke der drei Komponisten werden von ihr klar, prägnant, hell und transparent interpretiert. Technischer ausgedrückt: Das Pedal wird von Arnold sparsam eingesetzt, schnelle Läufe werden leicht und perlend gespielt (unglaublich klar in 'Danseuses de Delphes' oder 'Reflets dans l‘eau'), starke Akkordfolgen und sich auftürmende Klangkaskaden (wie in 'Ce qu‘a vu le vent d‘Ouest') sind durchlässig für die musikalische Gesamtstruktur der Stücke und der Gesamtklang ist eher trocken.

Erhellende Zusammenhänge

Vielleicht sind die verwaschenen Farben auf dem Cover eine Reminiszenz an die Vorstellung, die Musik von Claude Debussy sei impressionistisch und das bedeute eben, dass man nichts Klares erkennen könne. Das mag zunächst naheliegend sein, denn in der Tat erwecke einige impressionistische Gemälde, zumindest oberflächlich betrachtet, ja diesen Eindruck. Aber Arnold interpretiert Debussys kunstvolle Meisterwerke, die den Hauptteil der CD einnehmen, nicht als irgendwie verschwommene Stimmungsbilder, sondern stellt sie in einen Zusammenhang mit Stücken von Takemitsu und Cage, die beide vom Zen-Buddhismus inspiriert worden sind und deren Stücke sich durch große Klarheit auszeichnen. So wird Debussy in eine Linie mit Komponisten gestellt, die sehr ungewöhnlich ist, aber verblüffend gut passt. Man hört Debussy auf dem Hintergrund von Takemitsu, dessen Klavierwerke ein wenig an Anton Weberns Miniaturen erinnern und mit großer Sensibilität von Arnold gespielt werden, und Cages Stücke für präpariertes Klavier, bei denen ganz verschiedene Klangfarben aufleuchten, neu und anders. Vielleicht könnte man sagen: weniger französisch, dafür deutlich moderner und geistiger. Ein ausgesprochen spannendes Hörprojekt ist Sheila Arnold da gelungen. Die Aufnahmequalität der CD ist sehr gut und auch der Text der Pianistin im Booklet ist hilfreich. Noch ein Hinweis: Die originale und deutliche längere Booklet-Version findet sich unter https://avi-music.de/html/notes.


Prof. Dr. Michael Bordt, 17.04.2019

Label: CAvi-music , VÖ: 18.05.2018
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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