Magazin: CD-Kritiken
Bach, Johann Sebastian: Sonaten für Violine & Cembalo BWV 1014-1019

Details zu Bach, Johann Sebastian: Sonaten für Violine & Cembalo BWV 1014-1019: Alexandra Ivanova, Anais Chen

Bach, Johann Sebastian: Sonaten für Violine & Cembalo BWV 1014-1019: Alexandra Ivanova, Anais Chen

Ausdrucksstarker Bach

Schon oft eingespielt, doch keinesfalls abgedroschen: Alexandra Ivanova und Anaïs Chen beweisen mit ihrer Einspielung von Bachs Sechs Sonaten für Violine und Cembalo auf eindrucksvolle Weise ihr Können.

Geht es um das Repertoire eines Musikers, der sich auf historische Spielpraxis spezialisiert, so reicht kaum ein Komponist der Barockzeit an die monumentale Bedeutung und Größe der Kompositionen Johann Sebastian Bachs heran. An den geliebten wie gefürchteten Werken, bei denen man kaum eine Schwäche musikalischer oder spieltechnischer Natur hinter Virtuosität oder Temperament verbergen kann, führt insbesondere für Barockviolinisten und Cembalisten kein Weg vorbei. Gerade aufgrund der enormen Popularität und zahlreicher bereits existierender Einspielungen scheint die Aufnahme einer neuen CD mit den Sonaten für Cembalo und Violine BWV 1014–1019 gewagt. Cembalistin Alexandra Ivanova und Barockgeigerin Anaïs Chen ließen sich davon aber nicht einschüchtern und glänzen auf ihrem 2017 beim Label Es-Dur erschienenen Tonträger mit dem Titel 'BACH' mit geschmackvollen Verzierungen und warmen Farben.

Die Violinistin Chen brilliert besonders durch den sonoren, vollen Klang, den sie ihrer Geige zu entlocken vermag. Während historische Instrumente sich für gewöhnlich oft eher durch einen rustikalen und manchmal sogar rauen Klang auszeichnen, bringt Chen ihre Violine mit behaglicher Klangfülle und intimer Intensität zum Singen. Leider wurde bei der Bearbeitung relativ viel Hall über die Aufnahme gelegt, was die Wahrnehmung verzerrt und dem Klangergebnis einerseits jede kleine Schroffheit, andererseits aber auch ein wenig die Konturen nimmt. Dennoch ist Chens Klangsprache unverkennbar von warmen Schattierungen und großer Ausdruckskraft geprägt. Auch Alexandra Ivanova gelingt es in dieser Einspielung, ihr Können auf beeindruckende Weise in Szene zu setzen. Mit großer Feinfühligkeit ornamentiert sie die Sonaten mit grazilen und sinnlichen Verzierungen, überschreitet aber niemals die Grenze des guten Geschmacks.

Musikalische Einheit

Beide Instrumentalistinnen sind international renommierte Fachleute, die sich nach dem Violin- bzw. Klavierstudium auf historische Spielpraxis spezialisiert und ihr Studium in Basel abgeschlossen haben. Sie treten jeweils solistisch und in Kammermusikensembles bei diversen Festivals und Konzerten weltweit auf und gewannen zahlreiche Preise bei Wettbewerben. So herausragend die beiden Künstlerinnen als Einzelinterpretinnen auch sind, so ist es doch in erster Linie ihr absolut homogenes und präzise ausgearbeitetes Zusammenspiel, das die CD wirklich hörenswert macht. Dass ein Großteil der Gestaltungselemente improvisiert sein soll, ist angesichts der Einigkeit der beiden Musikerinnen, die zumeist klingen wie eine einzige musikalische Einheit, kaum zu glauben. Bach setzte hier beim Komponieren das Cembalo nicht bloß als Generalbass-Begleitinstrument ein, sondern stellte erstmals in der Musikgeschichte die rechte Hand als Melodiestimme mit jener der Violine auf eine gleichgestellte Ebene, während die linke Hand als Bass fungiert. Mit Fantasie und allerhöchstem kontrapunktischen Können lotete der Komponist die Einsatzmöglichkeiten des Cembalos so aus, dass der Zyklus quasi als Trio-Sonaten verstanden werden kann: Violine, Bass und Melodiestimme des Cembalos.

Chen und Ivanova gestalten Bachs Sonaten als einfallsreiches kammermusikalisches Miteinander, bei dem sie sich in innigen Kantilenen ebenso ‚die Bälle zuwerfen‘ wie in den sprudelnden, feuerwerksartigen Ausbrüchen der furiosen, emotionsgeladenen Passagen und Läufe. Sie stehen einander in nichts nach. Wer allerdings keine besondere Neigung für diese Art der Musik hegt, dem wird die Aufnahme der Sonaten, die zwei CDs umfasst, vermutlich auf Dauer etwas lang vorkommen. Obwohl jede der Sonaten schöner zu sein scheint als die vorherige, sind die Werke einander doch im Charakter sehr ähnlich, und das ausdrucksstarke Spiel der Interpretinnen macht ein Anhören ‚nebenbei‘ nahezu unmöglich. Für Liebhaber der Barockmusik und der historischen Aufführungspraxis ist der Tonträger auch in voller Länge jedoch definitiv empfehlenswert.


Susanna Morper, 15.02.2019

Label: Es-Dur , VÖ: 08.06.2018
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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