Magazin: CD-Kritiken
Reiselust

Details zu Reiselust: Werke von Beethoven, Spohr, Mendelssohn

Reiselust: Werke von Beethoven, Spohr, Mendelssohn

Lohnenswert

Das Eldering Ensemble präsentiert sich auf seiner neuesten Einspielung als Kammermusikformation mit beiläufiger Virtuosität, zupackender Dynamik und mit ansteckender Spielfreude.

Das Eldering Ensemble hat sich nach dem bekannten Geiger, Kammermusiker und Pädagogen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts Bram Eldering benannt. Sein kammermusikalisches Repertoire reicht vom Klaviertrio und Streichtrio bis zum Klavierquartett – dafür holen sich die drei festen Ensemble-Musiker jeweils wechselnde Kammermusikgäste mit ins Boot. Ihre Flexibilität im Zusammenspiel und der Besetzung stellen Jeanette Gier (Cello), Sandra Urba (Klavier) und Simon Monger (Violine) auch auf dieser Einspielung unter Beweis, erschienen ist sie bei Genuin. Unter dem CD-Titel 'Reiselust' verbirgt sich die so genannte 'Reisesonate' F-Dur Op. 96 von Louis Spohr für Violine und Klavier. Eingerahmt wird diese von Ludwig van Beethovens Klaviertrio Nr. 5 D-Dur op. 70 Nr. 1 und Felix Mendelssohn Bartholdys Klaviertrio Nr. 2 in C-Dur, die er seinem Freund Spohr gewidmet hat.

Beethovens so genanntes 'Geistertrio' bildet den Einstieg und überzeugt durch die höchst lebhaft musizierten Sequenzen und den ausgewogenen Unisonoklang des Ensembles im ersten Satz. Dieses 'Allegro vivace e con brio' macht seiner Überschrift alle Ehre und gelingt äußerst belebt. Der Mittelsatz ist fein durchdacht und die Akkordimpulse des Klaviers werden von Urba deutlich herausgearbeitet. Monger setzt dem einen sehr sanglichen und feinen Geigenton gegenüber, der sich gemeinsam mit dem Cello zu einem Klanggefüge mischt; eine gespenstische Stimmung kommt hier durchaus auf. Sehr ‚ohrenscheinlich‘ ist die stellenweise sehr zurückgenommene und immer durchdachte Verwendung des Vibratos der beiden Streicher. Vor allem in diesem Satz kommt dies sehr gut zum Tragen. Im Finalsatz treffen die drei eine gute Balance, wobei sie ein schwereloses Stimmungsbild zeichnen und damit einen gelungen Kontrast zur vorherigen Melancholie schaffen.

Ersteinspielung

Das Hauptaugenmerk dieser Aufnahme ist recht offensichtlich Spohrs Violinsonate, die auf der neuen Urtextausgabe der Edition Dohr Köln basiert und hier als Ersteinspielung zu hören ist. Doch in dieser unvermittelten Gegenüberstellung der zwei kammermusikalischen Formen der Besetzung liegt auch der Schwachpunkt dieser Einspielung. Während in einer Konzertsituation eine natürliche Pause (durch Applaus, Abgang und Auftritt der Musiker) zwischen den Werken entsteht, schließen sich beim Abspielen die Werke quasi nahtlos aneinander an – und geben den Hörer dadurch keine Zeit zum Umschalten zwischen den Gattungen und dem jeweiligen Klangraum. Für mich persönlich ein Manko der Aufnahme, da ich beispielsweise (unbewusst) zum Beginn der Sonate die Tiefen des Cellos vermisse. Diese Umstellung des Hörens wird noch ein zweites Mal herausgefordert, denn die Sonate wird von beiden Klaviertrios eingerahmt. Eventuell wäre hier eine Zusammenstellung der Gattungen vorteilhafter gewesen.

Spohrs Sonate wurde unter dem Titel 'Nachklänge einer Reise nach Dresden und in die Sächsische Schweiz' veröffentlicht. Im Duett agieren hier Simon Monger und Sandra Urba. Die neckisch komponierten Details (wie das Posthornsignal im ersten Satz oder böhmisch-musikalische Weisen) kommen zum Tragen, dennoch verlieren Monger und Urba nicht den großen, satzübergreifenden Bogen der Sonate aus den Augen. Spohr war sicherlich ein wahrer Meister der Violine, ihrer technischen Raffinessen und klanglichen Möglichkeiten. Simon Monger meistert dies in einnehmender Schlichtheit und niemals gewollt virtuos oder gar übertrieben. Besonders hervorzuheben ist der sanglich interpretierte dritte Satz. Naheliegend, da er sich in seiner konzeptionellen Struktur stark an der Gesangskunst orientiert. Ein durchaus passendes Stimmungsbild, ist dieser Satz mit dem Titel 'Katholische Kirche überschrieben und imitiert höchst plastisch den vom Orgelspiel eingeleiteten Gesang eines Kastraten in der katholischen Hofkirche in Dresden. Monger lotet hier die Klangnuancen bis in die leiseste Empfindsamkeit seiner Violine herrlich aus. Dieses differenzierte Klangbild zieht sich durch die gesamte Einspielung. Die Instrumente haben den nötigen Raum, ohne dass der Gesamtklang dumpf würde. Ebenfalls wird das weit ausgebreitete Dynamikfeld der Musiker von der Tontechnik sehr gut eingefangen.

Fulminanter Schlusspunkt

Mit dem Klaviertrio Nr. 2 op. 66 von Mendelssohn setzt das Eldering Ensemble dieser Einspielung einen fulminanten Schlusspunkt – und vielleicht gar den eigentlichen Höhepunkt dieses Tonträgers, auch wenn dieses Werk auf vielzähligen kammermusikalischen Einspielungen zu finden ist. Die Musiker verlieren sich nicht in den kontrapunktischen Wendungen und Verarbeitungen Mendelssohns und die mitunter aufblitzende Virtuosität lässt nie den Anschein eines innigen kammermusikalischen Musizierens vermissen.
Heraus sticht auch hier wieder die unbändige Spielfreude, die sich vom Beginn des Kopfsatzes an direkt auf den Zuhörer überträgt. Dem 'Andante espressivo' wohnt hingegen ein wunderbar lyrisch-melancholischer Zauber inne. Das Klavier agiert hier nicht vordergründig, sondern bildet einen sensiblen Klangpartner; die beiden Streicher harmonieren im Dialog höchst ausgewogen und feinsinnig.

Sein breites Ausdrucksspektrum zwischen weit gespannten, raumgreifenden melodischen Gesten und klanglich höchst intimen lyrischen Momenten sowie absolute Auslotung ihrer Klangräume und ihre scheinbar ungebändigte Spielfreunde machen das Eldering Ensemble zu einer entdeckenswerten Kammermusikformation.


Yvonne Rohling, 09.01.2019

Label: Genuin , VÖ: 04.05.2018
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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