Magazin: CD-Kritiken
Farrenc, Louise

Details zu Farrenc, Louise: Klavierwerke

Farrenc, Louise: Klavierwerke

Ehrenwertes Handwerk

Louise Farrenc war eine veritable Klavierkomponistin, doch Aufnahmen ihrer Solo-Werke bleiben eine Seltenheit. Biliana Tzinlikova schließt einerseits diskographische Lücken und liefert zudem zwei gute Alternativ-Einspielungen.

Die Revitalisierung klassisch-romantischer Klaviervariationen ist schwierig, gerade wenn schon die Vorlagen – aus gerade und meist auch nur zur Entstehungszeit populären Bühnenproduktionen – fast in Vergessenheit geraten sind. Nicht nur das Variationenschaffen etwa des jungen Beethoven ist davon betroffen, sondern fast die ganze Legion des Virtuosenrepertoires komponierender Pianisten wie Steibelt, Kalkbrenner, Thalberg und auch Liszt und Carl Maria von Weber, welche sicherlich als direkte Vorbilder für Louise Farrencs Variationen eine wichtige Rolle spielten. Ein Duett aus George Onslows Oper 'Le Colporteure' von 1826 ist etwa die Vorlage für den frühesten, im Booklet auf 1828 datierten Zyklus, eine der beiden Ersteinspielungen: Rezitativisch-dramatisch hebt Farrenc zeitgemäß mit einer umfang- und figurationsreichen, vorzeitig an Chopin gemahnenden Einleitungsfantasie an, bevor das eingängige, tänzerische Thema seinen Opèra-comique-Charme in ganz individuell kontrastierenden, keineswegs langweiligen Umgestaltungen entfaltet. Wie schnell sich die knapp 25-jährige Farrenc von der Vorlage entfernt und hier gerade in den langsameren Variationen schon fast Charakterstücke entwickelt, vermag zu beeindrucken.

Die zweite Ersteinspielung, Variationen über einen recht schlichten Walzer nicht von Diabelli, sondern von Wenzel von Gallenberg, hat eine ähnlich fantasievolle, noch ausschweifendere Anlage – hier deutlich im Gefolge Chopins und auch Beethovens – und verdient ähnliche Würdigung. Die Komponistin hat das Werk eigentlich für eine Konzert-Aufführung mit Orchester konzipiert, dessen Einwürfe Biliana Tzinlikova in den Klavierpart übernommen hat. 18 unterhaltsame Minuten mit großer Schluss-Steigerung zeigen um 1840 allerdings manchmal schon nicht mehr ganz die schöpferische Originalität und Konzentration.

Die beiden bereits 2002 von Konstanze Eickhorst für das Label cpo eingespielten, 1835 entstandenen Variationenzyklen über eine 'Air russe' – von Robert Schumann lobend rezensiert und kompositorisch wie interpretatorisch auch hier Höhepunkt des Programms – und über eine Cavatina aus Donizettis 'Anna Bolena' erfahren durch Biliana Tzinlikova beeindruckend einfühlsame und technisch souveräne Interpretationen (ganz kleine Abstriche vielleicht in den heikelsten Gallenberg-Passagen). Das Klavier-Klangbild der CD ist durchaus farbig-voluminös gestaffelt, wenn auch in den höheren Regionen manchmal leicht klirrend und beengter. Nach mehrmaligem Hören stellt sich übrigens ein geradezu ‚klassischer‘ Vertrautheitsgrad ein, eine klare Manifestation der reichhaltigen handwerklichen Qualitäten von Komponistin wie Pianistin.


Dr. Hartmut Hein, 26.01.2020

Label: Paladino , VÖ: 16.03.2018
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 



Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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