Magazin: CD-Kritiken
Bach, Carl Philipp Emmanuel

Details zu Bach, Carl Philipp Emmanuel: Sämtliche Werke für Tasteninstrumente Vol. 35

Bach, Carl Philipp Emmanuel: Sämtliche Werke für Tasteninstrumente Vol. 35

Große Kunst der Vielfalt

C. P. E. Bachs abwechslungreiche fünfte Sammlung der 'Clavier-Sonaten und freyen Fantasien nebst einigen Rondos fürs Forte-Piano für Kenner und Liebhaber' ist hier interpretatorisch besonders gelungen.

Gleich die einleitende e-Moll-Sonate H.281 gehört zu Carl Philipp Emanuel Bachs vielleicht schönsten, expressivsten Gattungserzeugnissen und kann sich mit Joseph Haydns fortschrittlicher Klaviersonaten-Produktion der frühklassischen Sturm-und-Drang-Ära messen. Der langsame Übergang in ein fantasierendes Adagio-Intermezzo und ein arioses Adagietto als Finale sind originell und bieten Miklós Spányi Raum für einfühlsames, fein nuanciertes Spiel auf seinem Tangenten-Klavier (Nachbau eines hausgebrauchgerechten Pastore-Instruments von 1799). Die größer angelegte zweite Sonate (H.282 mit einem expressiven Largo von 1766 als Wiederverwertung) ist melodisch nicht ganz so eingängig, aber voller überraschender dramatischer Wendungen und folgt ebenfalls dem galanten Schema mit menuettartigem Final-Andantino. 

Auch die beiden Rondos weisen zündende thematische Ideen und fantasieartige Züge auf. Für die beiden dann den sechsteiligen Zyklus abschließenden Fantasien nimmt sich Spányi eher viel Zeit und formt alle Charaktere und Kontraste einleuchtend aus. Jan-Pieter Belder als Konkurrent (Brilliant Classics) geht sicherlich etwas stürmischer und virtuoser zu Werke, aber Spányi arbeitet genauer, technisch sauberer und irgendwie noch sorgfältiger im Detail, auch in zwei kompositorisch eigentlich wenig beeindruckenden Variationenreihen als Beigabe dieser CD, deren ruhig-ergötzender Konversationston aufs Schönste getroffen wird. Um nun die ganze lange Reihe dieses umfangreichen Solo-Clavierschaffens zu vervollständigen oder auch erstmals in diese spätere Klavierwelt des Bach-Sohns im Übergang zum ‚klassischen Stil‘ einzusteigen: Diese Folge 35 verdient besondere Beachtung.


Dr. Hartmut Hein, 09.02.2020

Label: BIS Records , VÖ: 31.01.2018
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 



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