Magazin: CD-Kritiken
Tosti, Francesco Paolo

Details zu Tosti, Francesco Paolo: Sämtliche Lieder Vol. 2

Tosti, Francesco Paolo: Sämtliche Lieder Vol. 2

Wenig sentimental

Die Lieder von Francesco Paolo Tosti sind weit mehr als bloße Schmetterware für Tenöre, wie diese Aufnahme mit mehreren Interpreten zeigt.

Vier fast voneinander unabhängige Liedprogramme mit unterschiedlichen Interpreten setzen die Erkundung von Francesco Paolo Tostis Liedschaffen fort, von dem wir eigentlich nur Tenorschlager wie 'Serenata', 'Good-bye', 'Mattinata' und 'Marechiare' kennen und von dem wir vielleicht noch wissen, dass er sich um das neapolitanische Volkslied durch Neuschöpfungen einen Namen gemacht hat. Dass Tosti (1846–1916) in späten Jahren ein guter Freund von Enrico Caruso war, bei Saverio Mercadante studiert hatte und rund fünfhundert Lieder in mindestens drei Sprachen (u. a. auf Texte von Alfred de Musset, Gabriele d‘Annunzio und Henry Wadsworth Longfellow) vorlegte, ist heute kaum mehr bewusst.

Die hier vorgestellten Lieder aus den Jahren 1875–1895 werden fast aller billigen Sentimentalität enthoben, nur gelegentlich können sich die Interpreten der teilweise doch recht gefühligen Texte nicht ganz erwehren. Das Moderne an Tostis Texturen kann man gut am Klavierpart von 'Marechiare' (hier von Monica Bacelli mit Antonio Ballista dargeboten) oder jenem von 'Beauty‘s Eyes' (Piotr Lempa mit Marco Moresco) hören. Den ernsthaften, feinster Schattierungen fähigen Liedkomponisten hört man hier in dem kleinen Zyklus 'Malinconia' (1887, mit der Sopranistin Benedetta Torre und Luisa Prayer), den zwölf 'Altre pagine d‘album' (1889, mit Desirée Rancatore und Marco Scolastra) oder den 'Quattro melodie' (1895, mit Jurgita Adamonytė und Marco Moresco). Mark Milhofer brilliert u. a. in der altspanischen Canzone 'Pepìta' oder in Mussets 'Chanson de Fortunio' (beide 1887); bei 'La serenata', die natürlich von Galli-Curci, Gigli, Bergonzi, Scotto, Pavarotti, Bastianini, Siepi & Co. gesungen wurde, kann die vorliegende Interpretation weder vokal noch instrumental mithalten (auch nicht in der Variante mit der Kadenz für Nellie Melba).

Und natürlich kommt Musik fürs Herz nicht zu kurz – mal richtig aus dem Vollen schöpfend, mal eher raffiniert. Insgesamt sind die Pianisten der Collection Antonio Ballista, Luisa Prayer, Marco Scolastra und Marco Moresco kontinuierlich zuverlässiger als die meisten Vokalisten – teilweise muss man sogar fragen, warum kein Tonmeister eine Neuaufnahme einzelner Lieder hat durchsetzen können.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 10.03.2019

Label: Brilliant classics , VÖ: 16.02.2018
Interpretation: 
Klangqualität: 
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