Magazin: CD-Kritiken
Visione! ...

Details zu Visione! ...: Werke von Strauss, Pavars, Medins, Kepitis, Vasks u.a.

Visione! ...: Werke von Strauss, Pavars, Medins, Kepitis, Vasks u.a.

Nur wer die Sehnsucht kennt

Lieder für Viola, Klavier und Gesang von Bridge, Strauss u.a.

Mit 'Visione!' präsentiert das Trio Gunta Cēse (Sopran), Andra Darzina (Viola) und Ventis Zilberts (Klavier) eine CD mit Salonliedern. Der Titel zielt auf einen Liedtext Gabriele d’Annunzios, der von Francesco Paolo Tosti vertont wurde. Die 15 Lieder, die meisten von Andra Darzina eigens für das Trio arrangiert, geben einen sehr sehnsuchtsvolle elegische Atmosphäre vor. Man bleibt in der melancholischen Stimmung, andererseits wirkt die CD trotz der unterschiedlichen Komponisten durch die gesangliche Interpretation und die verhaltene Klavierbegleitung Ventis Zilberts zuweilen sehr monoton.

Der jungen Sopranistin, Gunta Cēse, derzeit Ensemblemitglied im Theater Vorpommern in Stralsund, fehlen bei einigen Liedern wie Richard Strauss‘ 'Morgen', R. Hahns 'A Cloris', Arenskys 'Maiglöckchen', Tschaikowskys 'Nur wer die Sehnsucht kennt', Massenets 'Élégie in f-Moll' stilistische Differenzierung, Klangschattierungen, atmosphärische Dynamik und individuelles Charisma. Bei den lettischem Liedern von Helmers Pavasars, Jāzep Mediņš und Janis Kepitis vermisst man den Schmelz in den Höhen als Kontrast zum satten Klang der Viola.

Erst mit den Originalkompositionen von Frank Bridge, dem Lehrer von Benjamin Britten, bekommt die CD mehr Leidenschaft, das Klavier mehr Expression. Gunta Cēses Gesang verfeinert sich zuerst über 'Far, far from each other'. Im folgenden 'Where ist ist that out where our soul doth go?' korrespondieren Gesang und Viola in harmonischen Kontrasten und in 'Music, when soft voice die' greift die Sehnsucht in wunderschönen Klangharmonien ineinander. Im titelgebenden Lied 'Visione!' zeigen die drei Künstler eine sehr feinfühlige, aufeinander abgestimmte Interpretation. Mit Pēteris Vasks‘ 'Andante Cantabile', die Vasks Cēse zum Geburtstag verehrte, klingt die CD mit sattem Klang, der in eisige Höhen entschwindet, unerwartet subtil aus.

Ein Hörgenuss ist immer Andra Darzinas Viola. Sie ist nicht nur Arrangeurin und Produzentin der CD, sondern eine ausgezeichnete Instrumentalistin, die die Viola ausgesprochen klangschön spielt und in den Tonsprüngen den bitteren Zauber der Melancholie hörbar macht. Ventis Zilberts bleibt weitgehend im Hintergrund, sein spielerisches Temperament leuchtet nur sporadisch auf.


Michaela Schabel, 14.01.2019

Label: Animato , VÖ: 23.02.2018
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Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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