Magazin: CD-Kritiken
Klingendes Schloss

Details zu Klingendes Schloss: Liedkunst der Goethezeit im Stadtschloss Weimar

Klingendes Schloss: Liedkunst der Goethezeit im Stadtschloss Weimar

Geduldsprobe

Ein Promoprodukt erweist sich als Bumerang: Der Bassist Thomas Stimmel wird diesen Liedern aus der Goethezeit nicht gerecht.

‚Klingendes Schloss. Liedkunst der Goethezeit im Stadthaus Weimar‘ – das evoziert hohe Kunst, aber auch einen unmusikalischen Goethe, der sich für Schubert kaum erwärmen konnte, dafür die heute nicht selten als langatmig-langweilig empfundenen Strophenlieder schätzte; da erwarten wir eine reiche Auswahl heute vergessener Komponisten – allen voran die Lieder op. 84 von Johann Nepomuk Hummel, der von 1819 bis zu seinem Tode Hofkapellmeister in Weimar war. Nichts da – zwei Drittel der CD sind Schubert gewidmet, ein Lied von Carl Friedrich Zelter, sechs von Carl Eberwein. Unverständlich (der Booklettext versucht, die nicht vorhandenen roten Fäden zusammenzuzurren).

Doch mehr noch: Der Bassist Thomas Stimmel verfügt kaum über die Mittel, mit dem Hammerflügel von Friedrich Hippe (1820–30) im Ahnenzimmer des Weimarer Schlosses zu harmonieren. Sein Schubert klingt in allen Lagen außer dem Pianissimo unstet und intonatorisch unsicher, offenkundig kaum geübt in musikalischen Verzierungen, im Mezzoforte und Forte sogar etwas gepresst. So werden die Gesänge des Harfners und der sogenannte 'Schwanengesang' (den man in diesem Ambiente niemals als Zyklus hätte aufführen dürfen – stärker kann man musikhistorische Ignoranz nicht hervorheben) zur argen Geduldsprobe. Zelters Duett 'Sankt Nepomuks Vorabend' ist sicher kein typisches Zelter-Lied, trotz der strophischen Gestalt.

Neben Caterina Maier nimmt sich Thomas Stimmel zurück, Liese Klahn kann aus dem schematischen Klavierpart an einem herrlichen Érard-Flügel von 1811 im Geschäftszimmer Maria Pawlownas aber musikalisch nur wenig herausholen. Klahn bespielt den Streicher-Flügel von 1825 in der Falkengalerie in den romantischen Liedern des Zelter-Schülers Eberwein. Maier ist intonatorisch nicht immer ganz sicher, wohl bedingt durch das ungewohnte Repertoire, doch werden die Miniaturen insgesamt charmant und werkgerecht dargeboten.

Ein Video von knapp 11 Minuten Länge zeigt, was eigentlich hätte intendiert sein sollen (eine vollständige Präsentation des CD-Inhalts auf DVD): So hätte selbst aus interpretatorischer Imperfektion noch ein interessanter und vielleicht auch wahrhaftiger Gesamteindruck werden können.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 04.05.2019

Label: Querstand , VÖ: 06.12.2017
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 



Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

Unser Service:

 Schriftgröße   + / - 

Drucker Seite drucken

RSS RSS


Anzeige

NOTE 1 - Mitteilungen (5/2019) herunterladen (2900 KByte)