Magazin: CD-Kritiken
Debussy, Prokofjew & Lutoslawski

Details zu Debussy, Prokofjew & Lutoslawski: Violinsonaten

Debussy, Prokofjew & Lutoslawski: Violinsonaten

Violinmusik des 20. Jahrhunderts

Karolina Piatkowska-Nowicka (Violine) und ihr Bruder Piotr Nowicki (Klavier) legen ihre Interpretation von Werken von Debussy, Prokofjew und Lutoslawski vor.

Karolina Piatkowska-Nowicka (Violine) ist Doktorin der musischen Künste und Preisträgerin des Polnischen Nationalwettbewerbs Torun. Sie studierte Violine bei Henryk Keszkowski an der Musikhochschule Danzig sowie bei Sebastian Hamann, seinerzeit an der Musikhochschule Luzern. Meisterkurse besuchte sie bei Edward Grach, Petru Munteanu, Marina Jaszwili, Wanda Wiłkomirska und Wolfgang Marschner. Sie gab zahlreiche Konzerte und Kammermusik-Abende in Polen, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Italien, China und Singapur und errang einen 1. Preis beim internationalen K.-Penderecki-Wettbewerb für zeitgenössische Musik (Krakau). Ein Stipendium erhielt sie vom polnischen Kulturministerium. Sie spielt seit 1997 auf einer Violine aus der Sammlung des Bubenreuther Instrumentenbauers Gottfried Raabs. Seit 2011 hält sie eine außerordentliche Professur an der Musikakademie Danzig und ist zugleich Primaria beim NeoQuartet. Dieses hat sich auf die Aufführung zeitgenössischer Musik (z. B. von Reich, Crumb, Schnittke und Penderecki) spezialisiert. Jetzt legt sie gemeinsam mit ihrem Bruder Piotr Nowicki beim Label DUX eine Duo-Platte mit drei bedeutenden Werken der Violinliteratur des 20. Jahrhunderts vor: Debussys Violinsonate g-Moll (1917), Prokofjews 1. Violinsonate f-Moll op. 80 (1938–46) sowie Witold Lutosławskis 'Partita' (1984).

Wohlige Einheit

Ganz verhalten, fast verträumt und innehaltend gestaltet Piatkowska-Nowicka den Einstieg in die Debussy-Sonate. Der Klang von Violine und Klavier rundet sich hier zu einer wohligen Einheit. Technisch ist die Geigerin sehr versiert. Die drei Sätze verschmelzen bei diesem impressionistischen Paradestück zu einem Gesamtkunstwerk. Das 'Intermède' beginnt quasi mit einer kleinen Kadenz. Überhaupt ist die Sonate gespickt mit kleinen technischen Finessen und großer Abwechslung. Diesen Charakterzug vermitteln die Interpreten vorzüglich. Auch Polnisch-Salonhaftes tritt auf dieser Aufnahme hervor. Die Klangeinstellung ist aber etwas dumpf-topfig. Auch ist das Booklet nicht für den deutschen Markt konzipiert, sondern lediglich in polnischer und englischer Sprache gehalten: Punktabzug.

Geheimnisvoll ertönt das kurze, in Oktaven unisono gehaltene Klaviervorspiel in Prokofjews Sonate f-Moll für Violine und Klavier op. 80. Die Geige steigt nach wenigen Takten ein und erzählt eine spröde Geschichte. Das vermögen die Interpreten wunderbar umzusetzen. Karolina Piatkowska-Nowicka und Piotr Nowicki ergänzen sich da fabelhaft und verkünden ein leidenschaftliches Plädoyer der Musik, ernst, aufrichtig und mit der nötigen technischen Souveränität. Die aasig schwierige Stelle mit den schnellen Läufen gelingt ihr vorzüglich. Richtig fatalistisch geht es im 'Allegro brusco' zu. Da gefällt der packende Zugriff der beiden Künstler.

Interpretationsvergleich

Spannend wird es noch einmal, wenn die beiden in die Avantgarde wechseln und die in Deutschland noch viel zu selten auf den Podien auftauchende 'Partita' (1984) einspielen, obwohl diese bereits 1988 von Anne-Sophie Mutter in einer DG-Einspielung – allerdings in der Version für Violine und Orchester (mit obligatem Klavier) – aufgenommen wurde. Frei heraus gesprochen bietet Anne-Sophie Mutter das erfüllendere Klangergebnis. Ihr blühender Ton, ihr saftiges Vibrato, ihre packende Herangehensweise überflügelt die aktuelle Aufnahme. Die erste (hier eingespielte) Fassung der 'Partita' entstand 1984 als Auftragswerk des St. Paul Chamber Orchestra für Pinchas Zukerman und Marc Neikrug. Obwohl die Fassungen nicht so wirklich vergleichbar sind, fallen einige Tendenzen auf. ASM nimmt das einleitende 'Allegro giusto' etwas rascher, was der Musik einen frischeren Impetus verleiht. Im Ad libitum hingegen nimmt sie das Tempo heraus und zeigt den künstlerisch anspruchsvolleren, bezaubernderen Dialog mit dem Klavier auf. Karolina Piatkowska-Nowicka und ihr Bruder sind da weitaus nüchterner und die Polin nutzt auch nicht so ein ausladend breites Vibrato. Mutters Klang ist da einfach intensiver und mondäner. Auch das zweite Ad libitum gestaltet das polnische Duo nicht so austariert. Das Klavier ist hier etwas zu vordergründig im Sound, wodurch stimmungsmäßige Nuancen in der Violinstimme wegbleiben. Die Aufnahmeeinstellung ist zugegeben sicher sehr schwierig realisierbar.

Alles in allem ist die neue Platte aber immer noch ein respektabler Diskussionsbeitrag zur Diskographie dieser drei äußerst wichtigen Werke des Violinrepertoires.


Manuel Stangorra, 26.11.2018

Label: DUX , VÖ: 23.02.2018
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

Unser Service:

 Schriftgröße   + / - 

Drucker Seite drucken

RSS RSS


Anzeige

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2018) herunterladen (4200 KByte)

Class aktuell (4/2018) herunterladen (2986 KByte)