Magazin: CD-Kritiken
Bach, Carl Philipp Emanuel

Details zu Bach, Carl Philipp Emanuel: Sämtliche Solo-Klavierwerke vol.34

Bach, Carl Philipp Emanuel: Sämtliche Solo-Klavierwerke vol.34

Konzentration und Anspruch

Miklós Spányi begibt sich wieder in spannende Randbereiche des Repertoires und sagt Neues zu Carl Philipp Emanuel Bach.

Miklós Spányi führt seine Zuhörer adäquat in die aufwühlende musikalische Welt dieses Bach-Sohnes ein. Was auch dem Sachverhalt geschuldet ist, dass er verschiedene Tasteninstrumente verwendet. Auf der vorliegenden Einspielung kommt ein Tangentenklavier zum Einsatz. Ein Instrument, das gewissermaßen zwischen Cembalo und Hammerklavier steht. Der Klang ist zwar dem des Cembalos ähnlich, die Mechanik erlaubt aber schon dynamische Abstufungen, durch sogenannte Moderatorzüge kann der Klang verändert werden.

Die Verwendung dieses Instrumentes ist bedeutsam, denn es verfügt über eine andere Mechanik als moderne Instrumente und erlaubt so andere technische Lösungen. Zudem kommen viele klangliche Reize erst auf einem solchen Instrument zur Geltung, da der Geräuschanteil des einzelnen Tons wesentlich höher als bei einem modernen Flügel ist. Manuell und gestalterisch überzeugt Miklós Spányi ohne Abstriche. Sein Anschlag ist prägnant und konturenscharf, auch zackige Akkordkonturen gelingen ihm exzellent.

Der Interpret liefert nicht nur eine spannende Werkauswahl, sondern bietet quasi en passant einen kleinen Einblick in die rasante Stilentwicklung vom Barock zur Empfindsamkeit. Zwar merkt man Carl Philipp Emanuel noch an, dass er durch die harte Schule seines Vaters gegangen ist, aber Bach junior geht freier mit dem Tonmaterial um und schafft Raum für kompositorische Subjektivität. Glänzendes Beispiel hierfür das Arioso in C-Dur mit 9 Variationen Wq 118/10. Miklós Spányi musiziert authentisch auf seinen alten Instrumenten und überzeugt zudem, weil er, wie alle Instrumentalisten damals, zuerst gesanglich denkt. Bei barocker Musik, die ihre Klangrede immer von der menschlichen Stimme her erfasst, ist das ein wichtiges Kriterium. Das Besondere dieser Herangehensweise ist schwer in Worte zu fassen, wahrscheinlich sind es seine fundierte Kenntnis der Strukturen des Notentextes und eine daraus resultierende genaue Klangvorstellung. Gleichzeitig gelingt so ein historisch mustergültiges Plädoyer für eine viel zu selten gespielte Musik.


Michael Pitz-Grewenig, 09.04.2019

Label: BIS Records , VÖ: 01.11.2017
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

Unser Service:

 Schriftgröße   + / - 

Drucker Seite drucken

RSS RSS


Anzeige

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2019) herunterladen (1559 KByte)