Magazin: CD-Kritiken
Bach, Carl Philipp Emanuel

Details zu Bach, Carl Philipp Emanuel: Klavierwerke Vol. 33

Bach, Carl Philipp Emanuel: Klavierwerke Vol. 33

Galanterien statt Sturm und Drang

Ganz dem Zeitgeschmack um 1780 entspricht Carl Philipp Emanuel Bachs dritte Sammlung für Kenner und Liebhaber. Miklos Spanyi spielt sie in der 33. Folge seiner Gesamtaufnahme der Tastenmusik des Bach-Sohns ganz entspannt auf einem Tangentenflügel.

Im letzten Lebensjahrzehnt musste der 1714 geborene, zweitälteste (überlebende) Sohn Johann Sebastian Bachs bereits mit dem etablierten ‚neuen‘ Sonatenschaffen Haydns und Mozarts konkurrieren – und in der Tat wirken gerade die Neukompositionen, die drei Rondos und die erste Sonate der 1781 veröffentlichten dritten 'Claviermusik'-Sammlung 'für Kenner und Liebhaber' (Wq. 57), aus heutiger Sicht zum Teil nicht ganz auf der Höhe ihrer Zeit und der früheren Qualität noch der ersten beiden Sammlungen. Die beiden schon 1766 und 1763 komponierten Moll-Sonaten Nr. 2 und Nr. 3 rufen da eher wieder den Stürmer und Dränger mit seinen treibenden Überleitungen und vehementer Expressivität in Erinnerung. Das wunderbare choralartige Thema des ersten Rondos hat allerdings auch seinen sentimentalen Reiz, gerade so spieluhrartig gespielt wie von Miklós Spányi, der vom Clavichord auf den belgischen Nachbau eines Pastore-Tangentenflügels von 1799 gewechselt ist und dessen Kolorierungsmöglichkeiten (una corda, Moderator- und Lautenzug) hier höchst aus- und eindrucksvoll und mit stimmungsvoller Modifikation auch im Tempo vorführt.

Dass Spányi eigentlich eher die motorischen Sätze liegen (und damit auch per se der ‚frühere‘ C.P.E. Bach) und weniger ein ‚freier‘ kantabler Ausdruck, machen die agogisch streckenweise zu gleichförmig, durchgezählt vorgetragenen langsamen Sonatensätze, das im Tänzerischen sehr harmlos wirkende zweite Rondo oder auch die Zugabe einer ebenfalls 1781 publizierten Canzonetta mit Variationen (Wq. 118/8) deutlich. Spányi spielt in allen diversen Satztypen feinsinniger, ja prinzipiell ‚galanter‘ als etwa Pieter Jan Belder in seiner Gesamtaufnahme aller sechs Sanmlungen (Brilliant Classics, 2013 erschienen). Belder agiert in dieser dritten Sammlung forscher, aggressiver, spitzer und damit unmittelbar mitreißender in der Phrasierung wie dynamischen Gestaltung; Spányi hingegen bietet eine ruhige, besinnlichere, weniger effektreiche, aber gleichfalls sorgfältige und durchdachte Lesart dieser Ausdruckskunst. Für einfühlsame Kenner und Liebhaber dieser Musik ist ein direkter Vergleich sicherlich höchst interessant!


Dr. Hartmut Hein, 16.03.2019

Label: BIS Records , VÖ: 26.07.2017
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 



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