Magazin: CD-Kritiken
Fux, Johann Joseph

Details zu Fux, Johann Joseph: Sämtliche Cembalowerke

Fux, Johann Joseph: Sämtliche Cembalowerke

Unspektakuläre Gesamtschau

Dass die Cembalomusik von Johann Joseph Fux nun umfassend auf einer preiswerten Doppel-CD erhältlich ist, darf man begrüßen. Über knapp 140 Minuten ist sie jedoch selten wirklich spannend.

Es gibt Komponisten, deren Stellenwert in der Musikgeschichtsschreibung höher ist als Kenntnis und Reiz ihrer Kompositionen. Neben seiner auch für einige Folgegenerationen einschließlich Haydn und Mozart verbindlichen Kontrapunktlehre 'Gradus ad parnassum' (1725) dominieren zwar in der Hinterlassenschaft von Johann Joseph Fux (1660–1741) Kirchenmusikalisches und Opern (einschließlich der Schnittstelle Oratorium), doch hinsichtlich der genuiner als bei J.S. Bach französisch orientierten Instrumentalmusik entsteht zumeist der Eindruck einer gewissen Standardisierung der Satztechniken und geringer melodischer Prägnanz oder Originalität.

Die hier versammelten fünf Partiten (die in G-Dur wird auch als ‚Ouvertüre‘ geführt) nebst einem ‚unterteilten‘ und mit programmatischen Titeln versehenen Capriccio sind im Blick auf die Tanztypen und etablierten Satz- und Sequenzierungstechniken sicher musterhaft komponiert, bleiben aber kaum im Ohr hängen. Es wiederholen sich einfache, im französischen Repertoire kaum zum Haupteinfall taugende melodische und grifftechnische Versatzstücke. Insbesondere die hinzukommende Serie von zwölf Menuetten, in den Partiten bereits um weitere acht Beispiele des bis zum Jahrhundertende im Wiener Raum kanonisierten Hoftanzes ergänzt, zeigen eine ziemliche Einfallslosigkeit und Statik, welche die Bewunderung für Joseph Haydns später unvergleichliche kompositorische Fantasie in seinen wahrlich über tausend Exemplaren dieses Tanzes gewaltig steigern dürfte.

Ein wenig Polemik den Werken gegenüber soll nicht die Leistung von Filippo Emanuele Ravizza schmälern, der eine saubere, in französischer Tradition reich und gut ausgezierte Wiedergabe dieser Musik liefert (wenngleich auch hier etwas mehr interpretatorische Exzentrik einiges vielleicht doch etwas spannender machen könnte). Das Klangbild des verwendeten Nachbaus eines flämischen Instruments von Johannes Dulcken (1745) wechselt allerdings überraschend: Gerade die erste Partita in a-Moll klingt deutlich enger, blecherner gegenüber dem bei Brilliant Classics eigentlich gewohnten breiten und farbigen Cembaloklang der restlichen Werke (wobei auch dort in einzelnen Sätzen besonders im Kopfhörer leichte, vielleicht Aufnahmetag-bedingte Schwankungen der räumlichen Aussteuerung irritieren).

Die Aufnahme fügt sich durchaus in die brillanten enzyklopädischen Erkundungen des europäischen Cembalorepertoires ein, die dieses Label dankenswerterweise seit Jahren produziert. Und der einzige für mich wirklich Ohrwurm-taugliche Track, der auch mit den wahren Entdeckungen des Labels vor allem im französischen Repertoire mithalten kann, soll jetzt doch noch als Schmankerl dieser Aufnahme genannt werden: die Bourrée aus der auch in Gänze deutlich herausragenden g-Moll-Suite.


Dr. Hartmut Hein, 15.12.2018

Label: Brilliant classics , VÖ: 23.06.2017
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 



Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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