Magazin: CD-Kritiken
Fantasias

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Fantasias: Werke für Klavier vierhändig von Schubert, Rachmaninoff u.a.

Festlichkeit und Spiritualität vierhändig

Romantische statt barocke Besinnlichkeit zum Jahreswechsel 2018/19: Dieses schon 2017 erschienene 'fantastische' Programm des einfühlsam spielenden Klavierduos Andreas Grau und Götz Schumacher ist äußerst abwechslungsreich und eine Empfehlung wert!

Sergej Rachmaninow hatte es mit Glocken, nicht nur in einer gleichnamigen Symphonie-Kantate von 1913, sondern auch in seiner ersten Suite für zwei Klaviere von 1893: Nicht erst im programmatischen 'Pfingstgeläut' des Schlusssatzes klingelt und wogt es festlich, auch Liebe und Trauer in den beiden langsamen Binnensätzen werden mit glockenartig klingenden Griff-Pattern koordiniert, und selbst in der Eingangsbarcarole mag man venezianische Campanile assoziieren. Grau und Schumacher spielen dieses Werk und die versammelten anderen 'Fantasias' dieses CD-Programms klangbewusst, impressionistisch getönt, mit stimmungsvoller Tempi-Wahl, die dem Rezensenten hier in der Adventszeit und Neujahr ebensoviel Freude gemacht hat, wie sie es vor Ostern und Pfingsten wieder machen wird: Das ist große Klavierkunst im vierhändigen Dialog zweier Musiker, die ihr Repertoire intensiv durchleben.

Diese Einspielung des Rundfunks Berlin-Brandenburg (schon aus dem Jahr 2014, veröffentlicht 2017) präsentiert dabei eine hautnahe Abnahme der ein bis zwei verwendeten Steinway-Klaviere, welche zwar auch die bekannte kleine Schwäche leicht klirrender Diskantlagen, vor allem aber die ganze Breite der Klangfantasien von Komponisten aus vier Jahrhunderten vermittelt: György Kurtàgs Klavieradaption von Henry Purcells 'Fantasia upon one note' läutet den überraschend spirituell-besinnlich wirkenden Reigen ein, gefolgt von einer von Busoni für Pianisten übertragenen Spieluhr-Musik Mozarts für eine ‚Flötenuhr‘ bzw. Orgelwalze, deren durchaus kirchenmusikalischer Ernst im bekannten Modus Fantasie und Fuge ebenso Spätwerk-Charakter – wenn auch zu früh Verstorbener – atmet wie die dann folgende f-Moll-Fantasie Schuberts. In dieser könnte man tatsächlich eher von einem gemeinsamen inneren Monolog als Dialog der hier vierhändig an einem Instrument geforderten Spieler sprechen: Sie ist das vom inzwischen so gelabelten 'GötzSchumacher Piano Duo' in jahrzehntelanger Zusammenarbeit spürbar erprobte und durchdachte zweite Großwerk neben der abschließenden Rachmaninow-Suite. Dazwischen noch Skrjabins a-Moll-Fantasie im Modus der auch bei Rachmaninow noch hörbaren Liszt- und Chopin-Rezeption, so dass man merkt, wo das romantische Klingeln und Läuten herkommt. Im ansprechend Sentimentalen, das diese Werke durchzieht, und in der ganzen Erhabenheit des Finalgeläuts dieser CD kann man nur dankbar sein für diese gelungene Programmzusammenstellung und sie dafür empfänglichen Freunden mit Freuden zum nächsten Pfingst- oder Weihnachtsfest weiterempfehlen.


Dr. Hartmut Hein, 12.01.2019

Label: Neos , VÖ: 19.05.2017
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 



Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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