Magazin: CD-Kritiken
Polychrome

Details zu Polychrome: Violinwerke von Ravel, Prokofjew und Strauss

Polychrome: Violinwerke von Ravel, Prokofjew und Strauss

Facettenreich

Der Violinist Tobias Feldmann und sein Begleiter Boris Kusnezow stellen mit diesen facettenreichen Interpretationen ihr Können eindrucksvoll unter Beweis.

Eine ‚große Farbpalette‘ und die Breite seines Könnens möchte der junge Violinist Tobias Feldmann auf 'Polychrome' zeigen (mit diesem 2016 erschienenen Tonträger gab er sein Debüt beim französischen Label Alpha Classics). Dies gelingt ihm ausgezeichnet – gemeinsam mit seinem Klavierpartner Boris Kusnezow und mit einem abwechslungsreichen, klug zusammengestellten Programm, das Kompositionen von Ravel, Prokofjew und Richard Strauss vereint.

Feldmanns Geigenton ist charismatisch und aussagekräftig (er spielt auf einem Instrument aus dem Jahr 1769). Die Musiker, deren Zusammenspiel von einer überragenden Homogenität ist, verfügen über das notwendige Feingefühl und technische Vermögen, um Ravels rätselhaft-klare Musik und namentlich den lyrischen ‚Impressionismus‘ seiner einsätzigen Violinsonate Nr. 1 a-Moll zur Geltung zu bringen. Indem sie Leichtigkeit und noblen Ernst in geradezu perfekter Balance halten, geben sie ein überzeugendes Plädoyer für dieses selten gespielte Werk. Auch die zersplitterte Stilistik von Prokofjews zweiter Violinsonate D-Dur op. 94a (1944) liegt den Interpreten, das Aufgeraut-Burschikose ebenso wie die herbe Lyrik. Im Andante ist der Geigenton weich und schlackenlos, das neoklassisch angehauchte 'Allegro con brio' erklingt zupackend, aber nicht grob. Den Überschwang von Richard Strauss‘ Violinsonate Es-Dur op. 18 aus dem Jahr 1888 mit ihrer ‚wilhelminischen‘ Spätromantik schließlich formulieren die Interpreten eloquent aus. Feldmann lässt die Spitzentöne intensiv leuchten. Kusnezow ist seinem anspruchsvollen Part jederzeit gewachsen und entfaltet quasi-orchestrale Klangwirkungen.

Das Booklet bietet statt Werkeinführungen ein instruktives Interview mit dem Geiger. Feldmann schwärmt hier völlig zu Recht von der Akustik der Jesus-Christus-Kirche in Berlin, in der die Aufnahme entstand: Der Klang ist warm und klar – ein Genuss wie die ganze empfehlenswerte Einspielung, die außerdem, wie bei diesem Label üblich, mit einer gediegenen Aufmachung für sich einzunehmen weiß.


Dr. Dennis Roth, 27.03.2019

Label: Alpha Classics , VÖ: 03.02.2017
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 



Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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