Magazin: CD-Kritiken
Totentanz

Details zu Totentanz: Sinfonische Dichtungen von Franz Liszt (Klavier vierhändig)

Totentanz: Sinfonische Dichtungen von Franz Liszt (Klavier vierhändig)

Tasten-Hexerei und Erzählkunst vierhändig

Mit Klavierübertragungen von Orchestermusik ist sehr wohl Aufsehen erregbar und eine neue schöne Erfahrung bekannten Repertoires möglich, wie diese Einspielung Symphonischer Dichtungen Franz Liszts durch ein großartiges Klavier-Duo zeigt.

Obwohl vierhändige Klavier-Arrangements von Orchestermusik in den Vorzeiten der Aufnahmemedien vor allem der häuslichen Vergegenwärtigung des symphonisch-konzertanten Repertoires dienten, sind die Übertragungen, die Franz Liszt selbst von seinen drei herausragenden Symphonischen Dichtungen erstellte (bzw. wohl auch teilweise Schülern überließ und zur Veröffentlichung redigierte), eigentlich virtuose Podiumskunst erster Güte: Spieltechnische Anforderungen und gestalterische Qualitäten müssen bei einer öffentlichen Wiedergabe in Konzert oder auf Tonträgern höchsten Ansprüchen genügen, damit ein solches Programm wirklich ästhetisch zu überzeugen vermag. Mit ihrer Debüt-CD gelingt das dem auch privat verbundenen Duo Chie Tsuyuki und Michael Rosenboom hervorragend: Unterstützt von einem hervorragend gestaffelten Klangbild, intelligent in der dramaturgischen Inszenierung und keineswegs defensiven Tempi-Wahl ('Mazeppa'!!) und einfach souverän in jeder Hinsicht, vermittelt das in Hannover ausgebildete Duo Liszts 'Dichtungen' auch mit rein pianistischen Mitteln.

'Mazeppa' ist ja bereits über diverse Stadien als Klavier-Solo-Etüde entstanden und wirkt in der reklavierisierten Endfassung zurecht als ein Gipfelwerk Lisztscher Satz- und Ausdruckskunst. Auch die 'Hunnenschlacht' und 'Les Préludes' werden sorgsam erzählt, grandios gesteigert, farbig ausgeschmückt, und das scheinbar ohne jede pianistische Sorge um Spielbarkeit. Das gilt auch für des Duos eigene Übertragung des 'Totentanzes' für Klavier und Orchester auf ein einziges Klavier (es gibt allerdings schon eine Solo-Transkription Liszts): Gerade dieses Stück, um überraschende Schlagwerk-Effekte am Klavierkörper bereichert, offenbart so seine keineswegs auf solistisches Glänzen ausgerichtete Satz- und Variationskunst als linear völlig überzeugende, vor Ideen überquellende Komposition. Dieses hervorragende Duo sollte seine Karriere unbedingt erfolgreich auf höchster Ebene mit Konzerten und weiteren Tonträgern fortsetzen können: Hoffentlich findet diese schon vom besonderen Repertoire her höchst begrüßenswerte, bei Odradek erschienene CD angemessene Verbreitung.


Dr. Hartmut Hein, 30.10.2018

Label: Odradek , VÖ: 23.09.2016
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 



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Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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