Magazin: CD-Kritiken
Brahms & Mahler

Details zu Brahms & Mahler: Klavierquartette

Brahms & Mahler: Klavierquartette

Gefasst, aber auch durchdrungen?

Mit Eldar Nebolsin und dem internationalen Cello-Preisträger Wolfgang Emanuel Schmidt dürfen mindestens zwei Namen das Interesse an diesem Brahms schüren.

Aufgrund ihrer speziellen Besetzung – ein dominant-virtuoser Klavierpart steht einer um die zweite Quartett-Geige beschnittenen Streichergruppe gegenüber–- finden sich kaum Aufnahmen der Klavierquartette von Brahms mit Spezial-Ensembles wie dem Fauré Quartet (DGG), sondern häufiger Besetzungen mit prominenten, erweiterten Klaviertrio-Formationen, Pianisten mit Streichtrio oder reduziertem Quartett und eben wie hier entsprechend zusammengestellte (Star-)Solisten-Ensembles. Wie im Falle der bekannten Sony-Aufnahmen mit Pianist Emanuel Ax, Isaac Stern, Jaime Laredo und Yo-Yo Ma wird auch in dieser russisch-deutschen, im walisischen Monmouth ausgewogen und mit plastischem Klavierklang fast symphonisch breit aufgenommenen Naxos-Produktion oft zu sehr auf eine sauber-klangschöne Darbietung als auf gesteigert emotionales Durchdringen Wert gelegt. Bereits am Kopfsatzbeginn mit seinem hier und im Satzverlauf permant ‚winkenden‘ Hauptthema spürt man zunächst solche Defensive, die der manuell und interpretatorisch durchaus beeindruckende Pianist Eldar Nebolsin erst im durchführenden Mittelteil hin zu etwas mehr Ausdrucksintensität durchbricht, seine opponierenden Streicherkollegen hier einmal mitreißend. Wenig, zu wenig Tiefgang im folgenden 'Poco adagio', etwas animierter, doch ebenfalls oft statisch das Scherzo, am ehesten befreit und schwungvoll-lebendig musiziert das finale Allegro.

Mahlers 1876 zwischen dem hörbaren Vorbild Franz Schubert und merkwürdiger idiomatischer Vorwegnahme vielleicht schon des späten Gabriel Fauré angelegten a-Moll-Quartettsatz bekommt hingegen die auch hier eher vorsichtige, klangbewusste Musizierweise dieser Quartettspieler besser: Die weniger als bei Brahms konstruierten, vielmehr kontrastiv einander ablösenden formalen Bögen zwingen das Ensemble häufiger in schönen Fluß und adäquat nachdenkliche wie leidenschaftliche Rhetorik. Angesichts überlegener Konkurrenz wie Barenboim, Marc-André Hamelin oder dem Trio Wanderer beim Brahms-Zyklus (auf einer zweiten Naxos-CD sind ja auch die Quartette Nr. 1 und Nr. 3 erhältlich) lohnt vor allem diese ansprechende Ergänzung eine Anschaffung dieser Einzel-CD.


Dr. Hartmut Hein, 08.12.2018

Label: Naxos , VÖ: 10.02.2017
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 



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