Magazin: CD-Kritiken
Bach, Carl Philipp Emanuel

Details zu Bach, Carl Philipp Emanuel: Klavierwerke Vol. 31

Bach, Carl Philipp Emanuel: Klavierwerke Vol. 31

Häusliche Kennerfreuden

Clavieristisches Heimwerken auf dem um 1780 immer noch gebräuchlichen Clavichord ist für Miklós Spányi immer noch Gegenstand seiner historisch perspektivierenden Gesamtschau.

Mit Folge 31 setzt Miklós Spányi seine lange Reihe der Solo-Tastenmusik des bedeutendsten Bach-Sohns auf gewohnt höchstem Niveau fort und präsentiert die ihrerzeit wohl berühmtesten beiden Sammlungen 'Für Kenner und Liebhaber', die 1779 und 1780 fast schon als retrospektives Spätwerk erschienen (die Sonaten dieser CD entstanden, wie der exzellente Booklet-Text von Darrel M. Berg referiert, zwischen 1772 und 1780 in Hamburg, bis auf die zweite Sonate der ersten Sammlung, die schon 1758 in Berlin komponiert wurde und den früheren ‚galanten‘ Stil repräsentiert). Es sind historisch gewichtige Werke: Bach folgt hier grundsätzlich einem dreisätzigen Sonaten-Modell, das zu dieser Zeit auch Haydn und Mozart favorisieren, variiert aber – eher wie Haydn – die internen Satztypen und Ausdruckscharaktere stärker als im Schnell-Langsam-Schnell-Schema, das sich bei Mozart und anderen etabliert findet. So sticht hervor und rührt dann etwa auch ein besonders ausdrucksstarkes 'Cantabile' als Schlusssatz der F-Dur-Sonate Wq. 55/5.

Überhaupt gibt es mehr Nachdenklich-Reflektives und Kantables als wirklich schnelle, virtuose Sätze. Der Prestissimo-Beginn des ersten Zyklus bildet da gleich im ersten Track schon einen Höhepunkt, trotz der instrumenttypischen, dynamischen Limitationen von Spányi perlend und mitreißend dargeboten. Man möchte rufen: Dreh doch mal das Clavichord lauter – und das dann wider der authentischen klanglichen Zartheit auch tun. Tatsächlich ist das durchaus auf großem Cembalo und bereits dem Fortepiano taugliche ‚große‘ Claviermusik, nur vom Interpreten projektgemäß auf das kleine Heim-Instrument reduziert. Und diese bleibt interessant, so agogisch geschickt, wie Spányi spielt und auch melodische Ausdrucksfeinheiten transportiert, die in den affektiv oft Operngesang nachgebildeten langsameren Sätzen die ästhetischen Kernaussage bilden (sehr schön etwa das Larghetto aus der G-Dur-Sonate Wq. 56/2). Höchstens in den mittelschnellen, menuettnahen Sätzen, die oft den Finalsatz bilden, neigt der Ungar zu etwas zu statischem, abgezählt wirkendem Spiel. Aber in dieser ganz besonderen, uns so kaum geläufigen Ausdruckswelt, die Spányi hier entwickelt, gibt es für Kenner und Liebhaber der Klaviersonate im 18. Jahrhundert so viel zu entdecken, dass auch und gerade diese Folge unbedingt in deren Tonträger-Sammlung gehört.


Dr. Hartmut Hein, 20.10.2018

Label: BIS Records , VÖ: 01.06.2016
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 



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Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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