Magazin: CD-Kritiken
Clerambault & Marchand

Details zu Clerambault & Marchand: Sämtliche Musik für Cembalo

Clerambault & Marchand: Sämtliche Musik für Cembalo

Wenig Emotion, Glanz und editorische Sorgfalt

Die um 1700 erstmals publizierte, in ihrem Umfang übersichtliche Cembalo-Musik dieser beiden Organisten, die am Hofe des Sonnenkönigs Louis XIV tätig waren, ist bereits in exzellenten Aufnahmen präsent, mit denen Yago Mahugo kaum konkurrieren kann.

Über den Nachbau eines Ruckers-Cembalos (der kurzen Angabe im Booklet zufolge von 1638) erfährt man – wie über die verwendeten Ausgaben – fast nichts, und es vermag auch klanglich nicht zu überzeugen: Yago Mahúgos mit Effekten oder gar rhythmischem Drive eher zurückhaltendes Spiel wird aufnahmetechnisch aus einer etwas dumpfen und beengten Innenperspektive des Instruments heraus abgebildet. Im direkten Vergleich der herausragenden Suiten von Louis-Nicolas Clérambault (1676–1749) mit Kenneth Gilbert (Archiv Produktion), neben Mahúgos Hauptlehrer Robert Hill ein weiterer Mentor, bleiben Gilberts deutlich schwungvolleres, deutlich mehr begeistertes und begeisterndes Spiel und auch der glanzvollere Instrumentenklang deutlich vorne und Referenz. Mahúgo leistet sich nicht nur in Clérambaults c-Moll-Suite grandios abschließender Gigue einige manuelle Unsauberkeiten, sondern schwankt mitunter bei der Ornamentierung auch im satzinternen Grundtempo, obwohl er keineswegs ein Vertreter freierer, bauchiger Agogik (etwa der van-Asperen-Schule) zu sein scheint.

Einige Sätze gelingen zwar ansprechend, wie Marchands g-Moll-Gavotte, die im Registerwechsel schön abgestufte d-Moll-Chaconne und die beiden Courantes aus derselben Suite. Diese d-Moll-Courantes sind auf der CD sogar doppelt vorhanden: Durch einen unglaublichen Fehler der Edition oder Produktion dieser CD ersetzen sie auch die (einzelne) Courante der c-Moll-Suite von Clérambault, was schon alleine vom Tonartwechsel her sofort auffallen müsste. Außerdem sind zwei Satzbezeichnungen der d-Moll-Suite vertauscht: Die 'Gavotte en Rondeau' geht wie in der g-Moll-Suite einem abschließenden Menuet voraus (Musik stimmt, Titel nicht). Insgesamt keine glückliche Produktion, so dass das fast gleiche Programm-Paket in den ebenfalls recht neuen Aufnahmen von Davitt Moroney oder Luca Oberti – dort fehlt allerdings das Clérambault zugeschriebene G-Dur-Prélude – ebenso attraktiver bleiben dürften wie Kenneth Gilberts interpretatorisch herausragende Clérambault-Visitenkarte von 1981.


Dr. Hartmut Hein, 20.04.2019

Label: Brilliant classics , VÖ: 19.02.2016
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 



Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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