Magazin: CD-Kritiken
Sinigaglia. Leone

Details zu Sinigaglia. Leone: Werke für Violine und Klavier

Sinigaglia. Leone: Werke für Violine und Klavier

Italienischer Gipfelstürmer

Berge erklomm Leone Sinigaglia leidenschaftlich gerne. In der Musik zeigte er sich als unkonventioneller Gipfelstürmer: Seine 'Erstbesteigungen' in diesem Metier zählen noch zu den Geheimtipps.

Für einen Italiener ungewöhnlich, widmete sich Leone Sinigaglia (1868–1944) nicht der Oper, sondern ausschließlich der Kammermusik und der Symphonie. Als ihn 1944 die Nazis verhaften wollten, erlitt er einen Herzinfarkt und starb. Sinigaglia war jüdischer Herkunft. Anfeindungen und Verfolgungen lähmten ihn schon ab 1912 nicht nur in seinem schöpferischen Tun, sondern führten auch dazu, dass man ihn und seine Werke völlig vergaß. Die Geschwister Alessandra und Massimiliano Génot haben sich der Aufgabe verschrieben, Sinigaglia wieder zu Gehör zu bringen. Den Hauptpart trägt Massimiliano Génot, ein vielfach ausgezeichneter Pianist, geboren im piemontesischen Pinerolo, dem Ort fruchtbarer Schaffensjahre im Leben von Sinigaglia.  

Leone Sinigaglia, der aus einer betuchten Turiner Familie stammte und eine umfassende Ausbildung erhielt (und ein Buch über das Bergsteigen in den Dolomiten verfasste), traf in Wien, Prag und Mailand die berühmten Komponisten und Dirigenten seiner Zeit. In seiner Heimat transkribierte er Volkslieder. Er arrangierte sie zu Werken für Gesang und Klavier oder schrieb unter dem Eindruck dieser volkstümlichen Weisen Symphonien. 1907 wurde er Professor am Konservatorium in Mailand.

Der Kompositionsstil Sinigaglias ist eine Fortführung der Stile, die beispielsweise Respighi, Casella oder Pizzetti begründeten. Sinigaglia pflegte einen an der Volksliedhaftigkeit seiner Melodien orientierten, schlanken Romantizismus. Exemplarische Beispiele dafür liefern die Geschwister durch die Auswahl der sechs eingespielten Werke, Klavierstücke zu zwei oder vier Händen, sowie Sonaten für Violine und Klavier. Manche Werke erklingen zum Teil als Ersteinspielungen. Sinigaglias Affinität zu Dvořák wie Brahms sind nicht zu überhören. Alessandra und Massimiliano Génot pflegen eine sehr durchsichtige Interpretation und überzeugen von der Originalität Sinigaglias durch eine überaus sensible, auf feinste Nuancen ausgerichtete Interpretation. Hervorragend und lohnend zugleich.


Christiane Franke, 17.11.2018

Label: Brilliant classics , VÖ: 06.11.2015
Interpretation: 
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Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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