Magazin: CD-Kritiken
Noack, Florian

Details zu Noack, Florian: Transcriptions & Paraphrases for Piano

Noack, Florian: Transcriptions & Paraphrases for Piano

Wenig Tastendonner, viel Poesie

Florian Noack hat bekannte und unbekannte russische Orchesterwerke für Klavier transkribiert und eingespielt. Eigenes fügt er kaum hinzu und bleibt so nah am Original wie möglich.

Hat sich da etwa ein junger Pianist ordentlich virtuose Paraphrasen geschrieben, in der Tradition von Liszt oder Horowitz, in jüngerer Zeit vielleicht Volodos und Pletnev? Florian Noack hat eine Platte veröffentlicht voller Transkriptionen russischer Werke, und die beginnt mit Tschaikowskys berühmtem 'Schwanensee'-Thema, ordentlich aufgemotzt um die orchestrale Fülle auf dem Klavier zu erreichen. Das gelingt gut, der Charakter des Originals scheint perfekt übertragen, und nebenbei präsentiert sich Florian Noack als mit allen Wassern gewaschener Virtuose.

Dennoch gibt es da einen großen Unterschied zu Volodos, Horowitz und Co. Deren Transkriptionen sind zumeist äußerst individuelle Showstücke, Florian Noack dagegen hat sich durchaus auch sehr unbekannte Themen bearbeitet (Wer kennt schon Rachmaninoffs Oper 'Aleko'?) und dabei offenbar vorrangig versucht, gerade nicht individuell zu sein und nah am Original zu bleiben. Seine Transkriptionen sind daher vielleicht weniger knackig und markant, sie wollen eher poetisch sein und den Geist des Originals treffen. Da geht es längst nicht überall um virtuoses Feuerwerk, selbst wenn das sozusagen als Nebenwirkung immer wieder entsteht. Doch selbst da, wo der Flügel ordentlich aufrauscht – wie im eröffnenden 'Schwanensee'-Thema – klingt Florian Noacks Spiel weniger nach Tastendonner als nach Poesie.

Außer vier Szenen aus Tschaikowskys 'Schwanensee' und drei aus Rachmaninoffs 'Aleko' hat Florian Noack auch Ljadows 'Verzauberten See' transkribiert und aufgenommen. Das ist eine einst sehr beliebte und heute praktisch vergessene symphonische Dichtung, deren zarter Klang- und Farbenzauber sich am Klavier wohl weniger originalgetreu darstellen lässt – obwohl Florian Noack selbst offenbar anderer Meinung ist, schreibt er doch im Beiheft, er habe sich gefragt, ob das Stück nicht sogar ursprünglich für Klavier gedacht war. Dennoch klingen Ljadows originale Klavierwerke schon sehr anders als diese Transkription.

Reichlich Farbzauber hat auch Nikolai Rimsky-Korsakow in die Partitur seiner berühmten symphonischen Suite 'Scheherazade' geschrieben, die hier ebenfalls in einer auf gut 20 Minuten gekürzten Fassung zu hören ist. Und mit derart perfektem Anschlag funktioniert das tatsächlich sehr gut. Florian Noack ist nicht der erste, der Scheherazade für Klavier bearbeitet. Prokofjew und Rachmaninoff haben ebenfalls recht originalgetreue Transkriptionen zumindest der Hauptthemen erstellt, und wer eine freie, virtuose Paraphrase sucht, wird bei Sergej Kursanow fündig, ferner gibt es noch eine Bearbeitung der kompletten Suite für Klavier zu vier Händen. (Natürlich gibt es auch von 'Schwanensee' bereits andere Transkriptionen, etwa die viel freiere und rhythmisch modernisierte Fassung von Alexander Rosenblatt, die durch Nikolaj Tokarew bekannt geworden, mit der von Florian Noack aber nicht vergleichbar ist.)

Den Abschluss der Platte bildet Tschaikowskys komplette 'Romeo und Julia'-Ouvertüre, fast 20 Minuten lang. Auch diese Aufnahme beweist, abgesehen von den enormen Fähigkeiten Florian Noacks, dass ein Werk wie dieses auch auf dem Klavier sehr schön klingen kann. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.


Jan Kampmeier, 14.04.2014

Label: ARS Produktion , VÖ: 04.04.2014
Interpretation: 
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Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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