Magazin: CD-Kritiken
Werke für Klavier & Cello

Details zu Werke für Klavier & Cello: von Flotow & Offenbach

Werke für Klavier & Cello: von Flotow & Offenbach

Aus dem Salon

Die Werke für Cello und Klavier von Friedrich von Flotow leiden unter einem undifferenzierten Vibrato-Gebrauch.

Friedrich von Flotow (1812–1883) ist dem Musikhörer allenthalben durch seine Oper 'Martha', vielleicht auch noch den deutlich weniger verbreiteten 'Alessandro Stradella' bekannt. Als Komponist für den Konzertsaal wurde er erst in jüngerer Zeit entdeckt, sowohl im Bereich der Orchester- als auch der Kammermusik. Die vorliegende CD präsentiert Musik des Kammermusik- und Klavierkomponisten Flotow, eines Komponisten, der in den vorgestellten Beispielen weitestgehend nicht durch besondere Einprägsamkeit aufwarten kann.

Das eröffnende Klavierstück 'Le Mésange' ist typischste Salonliteratur, und auch die umfangreiche, mehr als halbstündige Komposition 'Chants du Soir' für Cello und Klavier überzeugt mehr durch handwerkliche Sorgfalt denn genialische Einfallskraft. 'Chants du Soir' entstand als Gemeinschaftskomposition mit Jacques Offenbach, einem weiteren deutschen Komponist, der sich durch musikalische Orientierung gen Frankreich einen Namen machte. Wir haben hier schöne Melodiebildung neben einem galanten Klavierpart, wir haben technisch durchaus anspruchsvolle, teilweise ausgesprochen dem Virtuosentum zuzurechnende Stücke, die zwar für den musikalischen Salon fast zu groß scheinen, im Konzertsaal aber eher im intimen Rahmen wirken werden. Dem müssen sich die Interpreten anpassen – etwa muss Vibrato vom Cellisten äußerst sparsam eingesetzt werden, um die eleganten Linien nicht zu verunklaren (man kann auch mit wenig Vibrato expressiv musizieren). Und hier macht sich ein zentrales Manko der Produktion bemerkbar: Die polnische Cellistin Estera Rajnicka hat kein wirkliches Gefühl für die Musik, ihr überstarkes Vibrato sorgt zumeist dafür, dass der Eindruck entsteht, hier spiele jemand falsch – neben dem lebhaften Spiel Carl Peterssons am Klavier ein ausgesprochen bedauerlicher Eindruck. Doch gerät hier auch ein weiteres, eher grundsätzliches Problem bei diesem Bereich Repertoire in den Blick: Musik der Mitte des 19. Jahrhunderts wirkt auf dem Steinway-Flügel nicht selten fehlinterpretiert. Das Instrument ist denkbar weit von der damaligen Klangästhetik entfernt. So haben wir brillanten Klavierklang, aber die vielen feinen Klangvaleurs des zeitgenössischen Hammerflügels fehlen. Hier, zusammen mit einer Cellistin, die zwar der Virtuosität fähig ist, aber nicht auf die große Linie vertraut, kann das Ergebnis nur bedauern lassen, dass der Musik nicht besser gedient wurde; eine rechte Vorstellung von der Musik muss in der Phantasie des Hörers entstehen, und im vorliegenden Fall benötigt man eine gehörige Portion Phantasie.

Die CD wird komplettiert durch zwei Klavierausschnitte aus dem Ballett 'Lady Harriette', aus dem später 'Martha' hervorging, sowie durch zwei Transkriptionen aus 'Martha' für Cello und Klavier. Leider haben sich offenbar weder Petersson noch Rajnicka mit der Handlung des Balletts bzw. der Oper vertraut gemacht, so dass die eigentliche Bedeutung der Musik verborgen bleibt: Stattdessen ist die Interpretation eher unbeteiligt, die große Kantilene ‚Martha, Martha, du entschwandest‘ bleibt ebenso ungedeutet wie die Implikationen der berühmten 'Letzten Rose' (einer Komposition, die bekanntlich nicht von Flotow stammte). Vielleicht am interessantesten, weil von der Vorlage her heute vergessen, ist das abschließende Klavierpotpourri nach der Oper 'L‘esclave du Camoëns', reizende Melodien, ohne störendes Cello vorgetragen und so zumindest musikalisch einigermaßen erfreulich anzuhören.

Während die Aufnahmetechnik guten Sterling-Standards entspricht, ist das CD-Booklet eine ganz eigenartige Angelegenheit: In einer in Schweden erschienenen CD mit Musik eines nach Frankreich orientierten Deutschen wird der Begleittext nur in Polnisch und schlechtem Englisch vorgelegt, dazu ein Coverbild, das auch nicht im Geringsten einen Bezug zu der Musik hat – eindeutig keine empfehlenswerte Praxis.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 09.04.2014

Label: Sterling , VÖ: 08.09.2014
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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