Alexander Melnikov

Alexander Melnikov fürchtet das Publikum und liebt Rachmaninow

Kein Russe fürs Russische

Photo: Monika Rittershaus


Es ist der zweite Tag des Jahres 2008. Im kalten, verkaterten Berlin türmen sich auf den Fußwegen die Abfallspuren des jüngst verstrichenen Jahreswechsels. Ich bin zum Mittagessen mit Alexander Melnikov verabredet, jenem jungen Pianisten aus Moskau, der seit einigen Jahren als musikalischer Partner von Isabelle Faust immer wieder von sich reden macht. 2006 veröffentlichte er das erste Solo-Album und wurde für seine Skrjabin-Interpretationen gefeiert. Nun erscheint seine zweite Recital-CD, die sich dem Spätwerk Sergej Rachmaninows widmet. Über diese Produktion wollen wir reden, genauso über seine Karriere und darüber, wie er wurde was er ist.

In der heimeligen Atmosphäre von ?Papa Pane? - einer Empfehlung eines italienischen Freundes, die jedem wärmstens weiterempfohlen sei - plaudern wir jedoch zunächst über italienische Autos und deutsche Barockorchester?

? Haben Sie diesen neuen Don Giovanni gehört?

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Die Freiburger verfügen bekanntlich über eine Reihe ganz ausgezeichneter Solisten?

Dann kennen Sie sicher auch Teunis. Wir haben gerade eine wunderbare Produktion mit einer Violinsonate und dem Horn-Trio von Johannes Brahms mit Isabelle Faust als Violinistin und Teunis van der Zwart, dem Hornisten des Freiburger Barockorchesters, gemacht. Ich habe das Gefühl, uns ist mit dieser Platte, auf der wir Originalinstrumentarium der Brahmszeit verwenden, etwas ganz Besonderes gelungen. So haben Sie Brahms auf CD vielleicht noch nicht gehört. Ich bin ein ganz großer Fan von Teunis, er ist ein fantastischer Hornist. Seit ich ein kleiner Junge war, habe ich eine gewisse Affinität zum Horn. Ich kann mich gut erinnern, dass ich immer eine Kassette mit den Hornkonzerten von Mozart gehört habe, auf der Peter Damm spielte. Diese Musik fasziniert mich bis heute aus irgendeinem Grund. Vielleicht lag es daran, dass ich damals meinen ersten Stereo-Kassettenrecorder bekam und genau zwei Kassetten hatte: die Mozart Konzerte Mit Peter Damm und das berühmte Schubert C-Dur Streichquartett mit Pablo Casals und Isaac Stern.

Was hat dazu geführt, dass Sie dann nicht Hornist sondern Pianist geworden sind?

Copyright Monika RittershausIch habe absolut keine Ahnung; es muss wohl ein wirklich unglücklicher Zufall gewesen sein (lacht laut). Natürlich komme ich aus einer Kultur affinen Familie, ohne dass meine Eltern jedoch Musiker wären. Meine Mutter ist Philologin und mein Vater ein Mathematiker. Allerdings waren meine beiden Großeltern Komponisten, doch starb meine Oma als ich drei Jahre alt war und meinen Großvater habe ich nie kennen gelernt, da er schon 1947 von uns ging. Einen praktischen Einfluss habe ich also von beiden nicht bekommen. Allerdings ist meine ältere Schwester Pianistin und Komponistin geworden. Sie lebt seit vielen Jahren hier in Berlin. Ich kann mich gut erinnern, dass es immer eine wunderbare Einschlafhilfe war, sie üben zu hören. Vielleicht habe ich durch sie unterbewusst einen Auftrag erhalten, Klavier zu lernen. Im Alter von sechs ging es für mich damit los. Übrigens spiele ich auch ein wenig Posaune. Das kommt daher, dass ich als Jugendlicher absolut verrückt war nach Mahlers dritter Sinfonie, in der es ja dieses große Posaunensolo gibt. Ein Freund schenkte mir damals eine alte russische Posaune, auf der ich dann alleine übte. Ich habe jedoch nie Unterricht bekommen.

Sie haben mit sechs Jahren mit dem Musizieren angefangen. Wie lange hat es gedauert, bis sich abzeichnete, dass das Klavierspiel weit mehr sein könnte, als nur ein Hobby zu Kindheitszeiten?

Nun, ich habe auf der zentralen Musikschule in Moskau meinen ersten Unterricht erhalten. Wenn Sie an dieser Schule angenommen werden, ist Ihr Berufsweg schon ziemlich festgelegt: Sie sollen Musiker werden und Musik studieren. Genau genommen war es so, dass ich zunächst ein halbes Jahr privat Unterricht erhielt und dann die Aufnahmeprüfung machte. Dort spielte man einen Satz aus einer Mozart Sonatine und etwas von Clementi.

Und diesen Schritt, diese Entscheidung haben Sie freiwillig getroffen?

Wissen Sie, man hört immer wieder von vielen Eltern, deren Kinder schon in jungen Jahren Musik machen, dass ihr Kind dies allein aus innerem Antrieb und absolut freiwillig machen würde. Meine Eltern waren Gott sei Dank nie so. Natürlich wollte ich nicht nur Klavierspielen, sondern auch Fußball. Eine solche Entscheidung treffen zunächst immer die Eltern für einen; ein Kind von sechs Jahren kann die Tragweite eines solchen Schritts gar nicht alleine einschätzen. Aber ich habe vor allem gute Erinnerungen an die Zeit an der Musikschule. Man bleibt dort 11 Jahre und wechselt danach für weiter fünf an das Tschaikowsky Konservatorium.

Das Gespräch führte Frank Bayer.
(01/2008)

Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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