Carles & Sofia

Sofia Cabruja und Carles Lama über Herausforderungen und Möglichkeiten des vierhändigen Klavierspiels

"Als Duo muss man Musik in der gleichen Art und Weise denken"

Photo: Douglas Gorenstein


Wenn Goethe das Quartettspiel als ein Gespräch unter vier vernünftigen Leuten bezeichnet hat, welche Metapher lässt sich da für das vierhändige Klavierspiel denken? In jedem Falle müssen die vernünftigen Leute gut und lang miteinander bekannt sein und dürfen vielleicht nicht nur auf ihre Vernunft vertrauen. Die spanischen Pianisten Sofia Cabruja und Carles Lama spielen seit nunmehr 25 Jahren zusammen ? und verfügen über eine lang abgestimmte, enge Verflechtung im Musizieren, die von der europäischen Presse immer wieder gelobt worden ist. Beide Musiker wurden in Girona, Katalonien, geboren und studierten gemeinsam in Barcelona, Paris und an der Hartt School of Music. Das Repertoire des Klavierduos konzentriert sich auf die Romantik des 19. und 20. Jahrhunderts ? vor allem Werke von Schubert, Brahms und Rachmaninoff, die Carles & Sofia für das Label KNS eingespielt haben. Auch die bis heute andauernde Tradition dieses Stils pflegt das Duo und hat schon zahlreiche zeitgenössische Konzerte uraufgeführt, darunter etwa Werke des australischen, neoromantischen Komponisten John Carmichael. Für sein soziales Engagement wurde das Duo 2001 von der UNICEF ausgezeichnet, 2012 wurde es, aus Anlass seines 25. Jubiläums, in die illustre Runde der Steinway Artists aufgenommen. Bei einem kurzen Zwischenstopp in Berlin sprachen die beiden Pianisten mit klassik.com-Autor Tobias Roth über das spanische Programm ihrer jüngsten CD und Bezüge zur vielfältigen Folklore sowie über Herausforderungen und Möglichkeiten des vierhändigen Klavierspiels.

Sie werden sicherlich oft gefragt, ob Sie beide sich am Klavier wie ein Musiker fühlen. Mich würde ganz im Gegenteil interessieren, ob Sie sich bei der orchestralen Fülle des vierhändigen Klavierspiels manchmal wie mehr als zwei Musiker fühlen?

CL: Ja, manchmal fühlen wir uns schon wie ein Orchester. Das liegt natürlich auch am Klangvolumen, das entsteht, wenn die Zahl der Finger am Klavier verdoppelt ist. Der Klang ist ein ganz anderer und man muss sehr aufmerksam sein, um ihn unter Kontrolle zu halten. Für die mittleren Stimmen etwa ist die Versuchung groß, zu laut zu spielen. Die Oberstimme, die die Melodie trägt, muss sehr deutlich über allem schweben. Die Schwierigkeit besteht darin, das alles zu kontrollieren.

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Steht das auch im Zusammenhang mit der Psychologie der Instrumente, die Sie vorhin ansprachen?

CL: Ja, unbedingt. Nehmen wir als Beispiel etwa die Fantasie f-moll von Franz Schubert. Das ist ein sehr schönes Stück. Aber man muss auch Schuberts Lieder, seine Kammermusik und seine Symphonien sehr gut kennen, um eine Idee, eine Interpretation zu entwickeln, wie dieses Stück für vierhändiges Klavier klingen kann. Man muss ein Gespür für Schubert entwickeln, um zu einer Deutung des orchestralen Spektrums zu gelangen: Hier könnte ein Holzblasinstrument gemeint sein, hier ein Streichinstrument. Es geht um eine umfassende Perspektive. Wenn das fehlt, ist es immer noch ein sehr schönes Stück, aber wahrscheinlich nicht mehr so viel Schubert.

Finden sich auf Ihrer neuen CD auch Orchesterarrangements oder sind es Originalwerke für vierhändiges Klavier?

SC: Beides. Es ist sehr gemischt, auch was die Geschichte der Stücke angeht. Wir spielen beispielsweise vier Stücke aus der ?Suite española? von Isaac Albéniz, die ursprünglich für Soloklavier komponiert wurden, aber dann vom Komponisten selbst für vierhändiges Klavier arrangiert wurden. Diese Fassung ist sehr viel dichter, orchestraler. Daneben spielen wir zwei sehr bekannte Tänze aus der Oper ?La vida breve? von Manuel de Falla, die Arrangements von Orchesterintermezzi sind. CL: Wir spielen auch drei spanische Tänze für vierhändiges Klavier von Moritz Moszkowski, in denen müssen wir ein wenig singen. Da gibt es zum Beispiel eine sehr melodische ?Habanera?. Der Reichtum der spanischen Musik ist auf die Folklore gegründet: nicht auf nur eine, sondern auf zahlreiche, verschiedene. Jede Region Spaniens hat eine sehr eigenständige und unterscheidbare Folklore-Tradition, wie es überhaupt sehr starke regionale Kulturen gibt. Was sie verbindet, ist vielleicht der Moment des Tanzes ? darauf gehen auch viele Kompositionen im Bereich der Kunstmusik zurück und entsprechend ist es unverzichtbar, den Charakter der Tänze zu kennen, auf den sich Komponisten bezogen haben. Man muss fast selbst tanzen.

Das Gespräch führte Tobias Roth.
(12/2013)

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Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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