Beethoventrio Bonn

Das Trio Beethoven Bonn über seinen neuen Pianisten Jinsang Lee, aktuelle Projekte und anstehende CD-Aufnahmen

"Als hätte es klassische Komponisten in Russland nicht gegeben?"

Photo: Kai Myller


2005 gründeten Mikhail Ovrutsky (Geige) und Grigory Alumyan (Violoncello) zusammen mit Rinko Hama (Klavier) das Beethoven Trio Bonn. Seit kurzem ist Jinsang Lee der neue Pianist des Ensembles, das sich auch inhaltlich neu ausrichten will. klassik.com sprach 2008 das erste Mal mit dem Trio. Im aktuellen Interview erzählen die Musiker klassik.com-Autor Miquel Cabruja mehr darüber, wie sich die neue Besetzung gefunden hat und sprechen über eine anstehende Konzertreihe im Hotel Steigenberger auf dem Petersberg in Königswinter. Außerdem berichten die Musiker über eine im Juni erscheinende CD, Auftritte beim Bonner Beethovenfest im September, eine Spanien-Tournee im November sowie inhaltliche Schwerpunkte ihrer derzeitigen Arbeit.

Als wir uns vor einigen Jahren zum ersten Mal trafen, sprachen wir auch über Freundschaft. Herr Ovrutsky und Herr Alumyan, Sie lernten sich als Schüler in Moskau kennen und trafen in Bonn wieder aufeinander. Spielen Sie immer noch Schach zusammen?

Mikhail Ovrutsky: Grigory und ich sind in jedem Fall immer noch befreundet. Grigory Alumyan: Das stimmt. Nur für unsere zweite Leidenschaft, das Schachspielen, bleibt aufgrund der Tatsache, dass wir beide Familienväter sind, nicht mehr soviel Zeit (lacht).

Das Beethoven Trio Bonn über Freundschaft, Schach und Musik

"Das ist wie bei Geschwistern"

Photo: Manfred Esser


Das Beethoven Trio Bonn gibt es seit 2005. Innerhalb kürzester Zeit haben sich Mikhail Ovrutsky (Geige), Grigory Alumyan (Violoncello) und Rinko Hama (Klavier) einen ausgezeichneten Ruf als gefühlvolles und harmonisches Kammermusikensemble erarbeitet. Alle drei Musiker verfolgen gleichzeitig eine Solokarriere: Mikhail Ovrutsky konzertierte unter Yoel Levi und Valery Gergiev. Grigory Alumyan ist Kammermusikpartner von Martin Ostertag und Martha Argerich. Rinko Hama spielt als Solistin und Kammermusikerin. Engagements führen das Beethoven Trio Bonn in die ganze Welt. In der Saison 2008/2009 konzertieren die drei unter anderem im Rahmen der Reihe "Best of NRW". Miquel Cabruja traf die Musiker für klassik.com in der Kölner Wohnung von Mikhail Ovrutsky.

Die Geschichte des Beethoven Trios ist auch die Geschichte einer Freundschaft.

Grigory Alumyan: Mikhail und ich kennen uns schon sehr lange. Wir sind in Moskau zusammen zur Schule gegangen. Dann zog es Misha aber in die Vereinigten Staaten, wo er an der Manhattan School of Music und an der Juilliard School studierte.

Sie verloren sich aus den Augen?

Grigory Alumyan: Zeitweise, bis wir uns zufällig auf einem Wettbewerb wiedertrafen. Als man in Bonn einen Ersten Konzertmeister und einen Solocellisten für das Beethoven Orchester suchte, haben wir uns beworben und wurden beide genommen. Damit stand eigentlich auch der Name für unser Trio fest.

Die japanische Pianistin Rinko Hama verließ das Ensemble zwischenzeitlich. Jinsang Lee, Sie stammen aus Südkorea und sind der neue Pianist des Trios.

Jinsang Lee: Wir hatten Ende Januar unser erstes gemeinsames Konzert in der Kammermusikreihe der Villa Prieger in Bonn? Alumyan: ? aber eigentlich hatten wir uns schon für Jinsang entschieden, bevor wir gemeinsam gespielt hatten. Wir hatten Aufnahmen von ihm gehört. Ovrutsky: Zudem kannten wir ihn aus unserer Studienzeit. Jinsang ist ein erfolgreicher Musiker, der schon viele Wettbewerbe gewonnen hat.

Zuerst musste aber noch Rinko Hama dazustoßen. Wie kam es dazu?

Rinko Hama: Ich kenne Grigory vom Studium an der Karlsruher Musikhochschule, wo wir auch als Duo gespielt haben. Alle drei sind wir uns auf einem Musikwettbewerb in Südafrika begegnet. Dort habe ich Misha gefragt, ob er für mich umblättern mag. Das war es eigentlich (lacht). Nein, es war schon eine bewusste Entscheidung für das Klaviertrio. Das Trio stellt ganz andere Anforderungen an die Musiker als etwa das Streichquartett, in dem die Harmonie des Klangs im Vordergrund steht. Beim Klaviertrio befinden sich demgegenüber echte Solisten im Dialog. Sie müssen im Einklang miteinander spielen aber auch ihre Eigenständigkeit bewahren. Das entspricht ziemlich genau unserer Auffassung vom Musikmachen.

Das klingt nach künstlerischer Wertschätzung.

Ovrutsky: Das kann man wohl sagen! Wir mögen uns musikalisch sehr.

Apropos Eigenständigkeit. Sie alle sind auch als Solisten erfolgreich.

Copyright Manfred EsserGrigory Alumyan: In Russland wird man grundsätzlich zum Solisten ausgebildet. Ein Orchesterstudium in der Schule oder am Konservatorium, wie das in Deutschland üblich ist, gibt es dort nicht. Für mich sind aber alle Facetten der klassischen Musik wichtig. Wenn ich während einer Opernaufführung im Orchestergraben sitze, dauert das länger als jedes Sinfoniekonzert. Aber ich genieße die Zeit sehr. Gerade in der Zusammenarbeit mit Sängern kann man unheimlich viel lernen, was Phrasierung, was Klang angeht.
Mikhail Ovrutsky: Das gilt für mich genauso. Die Solistenkarriere hat in meinem Leben den gleichen Stellenwert wie das Trio und meine Tätigkeit im Beethoven Orchester. Ich möchte auf nichts verzichten müssen. Was gibt es Sinnvolleres, wenn man ein Trio von Felix Mendelssohn-Bartholdy einstudiert, als gleichzeitig an einer Sinfonie von Mendelsohn zu arbeiten? Und wenn ich etwa die Klangwelt des Violinkonzerts von Richard Straussens ergründen möchte, kann ich mir nichts Folgerichtigeres vorstellen, als mich gleichzeitig mit einer seiner Opern zu beschäftigen.

Grigory Alumyan, Sie sind beim Beethoven Orchester Bonn als Solo-Cellist tätig. Herr Ovrutsky, Sie sind in Bonn Konzertmeister. Was machen Sie über ihr Engagement beim Beethoven Trio hinaus, Herr Lee?

Copyright Lee: Nachdem ich 2008 den Ersten Preis des Klavierwettbewerbes Hongkong und 2009 den Ersten Preis beim Concours Géza Anda in der Schweiz gewonnen hatte, spielte ich sehr viel als Solist im In- und Ausland. Das führte dazu, dass ich nur wenig Kammermusik machen konnte. Obwohl ich davon überzeugt bin, dass ich eigentlich Kammermusiker bin, hatte ich zuvor noch nicht fest in einem Trio gespielt. Als Misha mich also anrief, um zu fragen, ob ich der Pianist des Beethoven Trios Bonn werden wollte, war das eine Riesenfreude für mich.

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Das Gespräch führte Miquel Cabruja.
(07/2009)

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Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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